Die Geschichte der Zeit: So kam sie ans Handgelenk

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Um 7 Uhr klingelt der Wecker, um 8:30 Uhr geht es ins Büro und um 19 Uhr ins Fußballtraining – unser Tagesablauf ist genau getaktet. Doch wie kam es überhaupt zu dieser Uhrzeit, die unseren Alltag bestimmt? Und wie hat sie es an unser Handgelenk geschafft? Nachfolgend erfahren Sie, seit wann eigentlich bekannt ist, „wie spät“ es ist und wir die Zeit immer im Blick haben.

Verabredungen damals und heute

Heutzutage Freunde oder Familie zum Essen einzuladen, ist einfach. Man gibt eine Uhrzeit an und schon stehen die Gäste gemeinsam vor der Tür, wenn alles vorbereitet ist. Doch wie genau lief das eigentlich ab bevor es Uhren gab? Damals wurde sich an externen Begebenheiten orientiert, beispielsweise dem Stand der Sonne, oder es wurde sich „zur Dämmerung“ oder „zum Hahnenschrei“ verabredet. Je nach Auslegung dieser Formulierung war das Essen dann auch mal noch nicht fertig oder schon kalt – oder die Verabredung schon wieder weg. Man nahm es eben nicht so genau.

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Zeit hat ihren Ursprung im Kloster

Bereits die Babylonier gliederten Tag und Nacht in zwölf Abschnitte ein, exakte Zeiten gibt es allerdings noch nicht besonders lange. Die strikte Einteilung des Tages stammt aus den Klöstern, wo das Läuten der Stunden den Mönchen und Nonnen den Takt für ihre Arbeits- und Gebetsphasen bestimmte. Dies wurde irgendwann auch von den Städten übernommen, wo das Läuten der öffentlichen Stundenglocken beispielsweise das Zeichen für die Öffnung und Schließung der Stadttore war, während die Kirchenglocken die bevorstehende Messe ankündigten. Die Dauer der Stunden beruhte auf Kerzen-, Wasser- oder Sonnenuhren und variierte nach Ort und Jahreszeit. Die Sonnenuhr wurde vor etwa 5.000 Jahren von den alten Ägyptern erfunden. Sie ist kreisrund mit mehreren zeitlichen Abschnitten. Eine Zeitmessung war allerdings nur tagsüber bei Sonnenlicht möglich. Unabhängig von der Tageszeit war die Wasseruhr, genau wie die Sanduhr, die ihr folgte und die sogenannte Räderuhr ab dem 14. Jahrhundert. Die Räderuhr beinhaltete schon erste Grundelemente, die noch heute bei mechanischen Uhren vorzufinden sind: Sie hatte eine Unrast, einen nicht ganz so ganggenauen Vorläufer der heute benutzten Unruh.

Entstehung einer präzisen Uhrzeit

Die Entwicklung einer exakten Zeit nahm ihren Anfang erst im 14. Jahrhundert. Damals machten sich mechanische Uhr- und Schlagwerke aus Italien auf den Weg nach ganz Europa. Somit konnte jeder Bürger in Erfahrung bringen, welche Stunde geschlagen hat, bis wann er arbeiten durfte oder wann er zu einem Termin aufbrechen musste. Mechanische Uhren verfügten zu Beginn über Gangabweichungen von 15 Minuten pro Tag. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurden sie jedoch immer exakter. Allerdings wich die Uhrzeit von Stadt zu Stadt ab, sodass jeder einzelne Ort praktisch eine eigene Zeitzone darstellte. Die eine korrekte Uhrzeit gab es nicht. So unglaublich das heutzutage auch klingen mag, diese Differenzen machten kaum Probleme. Da der Wechsel von einer Stadt in die andere nur durch lange Reisen möglich war, war die Zeitabweichung selten von Bedeutung.

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Wirtschaft fordert Einheitlichkeit

Dies änderte sich jedoch im 18. Jahrhundert, als der Ruf nach einer synchronen Uhrzeit auf Grund von zunehmendem Handel und Verkehr lauter wurde. Vor allem für die Post war eine allgemein gültige Zeit essenziell, um Sendungen wie vereinbart zustellen zu können. Die Fabriken des industriellen Zeitalters markieren letztlich den Abschied von vagen Zeitrechnungen. Zeit wurde zu einer wirtschaftlichen Ressource und öffentliche Zeigeruhren mit präziser Minuten- und Sekundenanzeige verbreiten sich. Eine verbindliche einheitliche Uhrzeit existiert in Deutschland erst seit dem Jahr 1893. Dafür sorgte die Eisenbahn, deren Fahrpläne minutengenau bestimmt werden mussten. Die Gleichtaktung des gesamten Landes war somit unerlässlich und damit war der Meilenstein für die moderne Welt mit exaktem Timing gelegt, wie wir sie heute kennen.

Die Zeit immer dabei

Die Erfindung der Armbanduhr war natürlich enorm hilfreich, um über die richtige Zeit stets informiert zu sein und wichtige Termine einzuhalten. Heutzutage hängt sie ganz selbstverständlich am Handgelenk, doch eigentlich gibt es den Zeitmesser für den Arm erst seit etwa 200 Jahren. In denen hat er auch eine beachtliche Entwicklung mitgemacht. Nachdem die Zeit so bedeutend geworden war, kamen Taschenuhren auf den Markt. Sie wurden anfangs von Schlossern hergestellt, denn Uhrmacher gab es noch gar nicht. Die neuen Zeitmesser waren ziemlich groß und meist an Ketten oder Bändern befestigt. Männer trugen sie in ihrer Westentasche, Frauen an ihrem Hals. Zuerst waren sie als kostenintensive Luxusgegenstände jedoch nur den Adeligen zugänglich und der normale Bürger musste sich weiterhin an den Stadtglocken und weiteren Hinweisen orientieren.

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 Aus der Tasche an die Hand

Als im 15. Jahrhundert Unruh und Spiralfeder erfunden wurden, wurde auch der Bau präziserer Uhren und die Verkleinerung des Gehäuses möglich. Im Jahr 1812 produzierte Abraham-Louis Breguet auf Wunsch von Königin Caroline Murat, der Schwester von Napoleon, die erste bekannte Armbanduhr. Diese neue Art der Uhr brauchte jedoch ihre Zeit, um in der Gesellschaft Anklang zu finden. Erst Ende des 19. Jahrhunderts entschieden sich bereits viele Damen für die Uhr fürs Handgelenk. Männer zogen zu dieser Zeit hingegen immer noch Taschenuhren vor, die Armbanduhr galt als „weibisch“ – doch auch für sie sollte es die Uhrenform der Zukunft sein. Irgendwann fiel es jedoch auch den Männern auf, dass es teilweise etwas unpraktisch war die Uhr jedes Mal aus der Tasche ziehen zu müssen, um die Zeit abzulesen. Führt man eine Tätigkeit mit beiden Händen aus, war dies ein schwieriges bis unmögliches Vorhaben. Aus diesem Grund entwarf Louis Cartier im Jahr 1904 die Cartier Santos, die erste Armbanduhr für Männer. Sie ist nach seinem Freund benannt, der Fliegerikone Alberto Santos Dumont, der beim Fliegen keine Chance hatte sich über die Uhrzeit zu informieren. Damit war auch der erste Zeitmesser der beliebten Uhrenkategorie Fliegeruhren geboren. Santos ist noch heute eine zentrale und äußerst beliebte Kollektion von Cartier. Die erste deutsche Armbanduhr war eine „Darling“ von Thiel im thüringischen Ruhla und kam 1912 auf den Markt.

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