Haute Horlogerie

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Philipp Mayrhofer, zuletzt aktualisiert am 24.07.2023

Haute Horlogerie: Ein Begriff, der nach Prestige, Anerkennung und purem Luxus klingt. Man liest die Bezeichnung zumeist im Zusammenhang mit sündhaft teuren Luxusuhren und auf den Webseiten renommierter Uhrenhersteller. Aber was genau bedeuten die wohlklingenden Worte eigentlich? In diesem Beitrag nehmen wir die Haute Horlogerie ins Visier und erläutern im Detail, was dahinter steckt.

Haute Horlogerie - höchster Ausdruck der Uhrmacherei

Die Haute Horlogerie ist für Uhrmacher das, was die Haute Couture für Modedesigner und die Haute Cuisine für Sterneköche ist: Sie ist die Uhrmacherkunst in Perfektion. Der französischsprachige Ausdruck bedeutet ins Deutsche übersetzt "Hohe Kunst der Uhrmacherei", was den Nagel auf den Kopf trifft. Seine Entstehung geht auf die Zeit nach der Quarzkrise, also auf die 70er Jahre, zurück und wurde wohl erschaffen, um die technisch ausgefeilten mechanischen Uhren dieser Zeit von der Massenware der Quarzuhren abzugrenzen.

Allerdings gibt es bis heute keine einheitliche, allgemeingültige Definition der Haute Horlogerie. Es handelt sich dabei also um einen Begriff, der mit einer gewissen Vorsicht zu genießen ist. Denn: Nur weil eine Uhr ein Tourbillon beinhaltet, aus einer namhaften Manufaktur stammt oder aus einem edlen Material besteht, macht sie das noch nicht automatisch zu einem Zeitmesser, der guten Gewissens zu der Haute Horlogerie gezählt werden kann.

Kriterien und Standards für Haute Horlogerie

Womit wir bei den Kriterien und Standards wären, die der Haute Horlogerie üblicherweise zugeschrieben werden:

Handwerkskunst und Präzision

Uhren, die der Haut Horlogerie zugeordnet werden, sind ein Ergebnis feinster Handarbeit. Sie stehen für höchste Fertigkeiten auf Seiten der Uhrmacher und deren Fähigkeit, absolut zuverlässige und überaus präzise Uhren herzustellen.

Komplexität und technische Raffinesse

Häufig besitzen solche Zeitmesser ein besonders leistungsstarkes Uhrwerk und zeichnen sich durch beeindruckende technische Raffinesse aus. Das Uhrwerk wird per Finissage verziert, wobei aufwändige Techniken - von der Perlage über die Côtes de Genève bis hin zur anspruchsvollen Schwarzpolitur - zum Einsatz kommen.

Exklusivität und limitierte Produktion

Haut Horlogerie Uhren werden normalerweise nicht in Massen auf den Markt geschmissen, sondern in einer limitierten Kollektion angefertigt. Das liegt mitunter am immensen Arbeitsaufwand, der mit der Fertigung einer solch hochwertigen Uhr einhergeht. Wir haben es also mit besonders exklusiven Zeitmessern zu tun, für die so mancher Sammler lange Wartelisten in Kauf nimmt.

Komplikationen und technische Meisterleistungen

Möchte man sich vergewissern, dass es sich bei einer Uhr um ein Stück handelt, welches der Haute Horlogerie zugeschrieben werden kann, so sollte der erste genaue Blick dem Uhrwerk gelten. Je mehr Komplikationen hier verbaut sind und je besser diese technisch umgesetzt wurden, desto eher entspricht eine Uhr dem Ausdruck höchster Uhrmacherkunst. Bei den Komplikationen, von denen solche Uhren in aller Regel gleich mehrere aufweisen, kann es sich zum Beispiel um eine Datumsanzeige, die Repetition oder eine springende Sekunde handeln.

Der Gipfel der Darstellung von Uhrmacherkunst ist in der Tradition der Haute Horlogerie die Grande Complication. Hierbei treffen Komplikationen aus den drei Gruppen „Kalender”, „Zeitnahme” und „Läutwerk” in einem Werk aufeinander - eine grandiose Meisterleistung.

Verwendung von edlen Materialien und Veredelungen

Eine Uhr, die den Standards der Haute Horlogerie gerecht wird, wird selbstverständlich nicht aus minderwertigen Materialien gefertigt. Ganz im Gegenteil: Hochwertige Edelmetalle verleihen den Uhren eine Ausstrahlung reiner Eleganz. Wie bereits kurz angesprochen, findet häufig zusätzlich eine aufwändige Veredelung, zum Beispiel in Form einer oft mehrschrittigen Finissage statt. Diese verleiht einer jeden Uhr den letzten Schliff und sorgt dafür, dass es keinerlei Zweifel an der herausragenden Qualität der Modelle gibt. Dasselbe gilt für die künstlerische Bearbeitung von Zifferblättern, etwa durch Emaille, Gravuren oder feinste Handmalerei.

Renommierte Haute Horlogerie-Marken

Hand aufs Herz: Welcher Sammler würde nicht gerne einen Zeitmesser der Haute Horlogerie sein Eigen nennen? Gerade in Sammlerkreisen ist dieses Prädikat nicht selten das Maß aller Dinge. Doch welche Marken gehören zur Gruppe der Haute Horlogerie Manufakturen? Einige Beispiele möchten wir an dieser Stelle nennen.

Als erstes denken hier viele Uhrenfans sicherlich an Jaeger-LeCoultre - und das völlig zu Recht! Spätestens mit der Entwicklung der Master Ultra Thin Tourbillon, die Tourbillons mit einer enorm geringen Gehäusedicke verbindet, steht außer Frage, dass die Luxusmarke auf dem Olymp der Uhrmacherei heimisch ist.

Um herauszufinden, welche Marken tatsächlich ganz offiziell zur Haute Horlogerie gehören, hilft ein Blick auf die Auflistung der Fondation de la Haute Horlogerie, kurz FHH. Die FHH ist eine 2005 von Audemars Piguet, Girard-Perregaux und der Richemont-Gruppe gegründete Organisation, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die Traditionen und das immense Uhrmacher-Wissen der Haut Horlogerie zu pflegen und zu bewahren. Demzufolge gehören unter anderem Vacheron Constantin, Patek Philippe, Breguet und A. Lange & Söhne zum ausgewählten Kreis der Haute Horlogerie Uhrenhersteller.

Exklusivität und Sammlerwert

Die Exklusivität der Werke aus dem Bereich der Haute Horlogerie ist nur einer von vielen Faktoren, die dazu beitragen, dass die Uhren über die Jahre häufig im Wert steigen. Kommen hochwertige Materialien, eine technisch einwandfreie Verarbeitung, ein großer Markenname und die ein oder andere begehrte Komplikation zusammen, ergibt sich im Resultat ein Zeitmesser, den sich viele Uhrenliebhaber für ihre Sammlung wünschen. Im Vergleich zur Nachfrage ist das Angebot meist stark limitiert, sodass die Luxusuhren auf dem Sekundärmarkt immer wieder deutlich über Listenpreis gehandelt werden. Will heißen: Besitzt man eine Haute Horlogerie Uhr, muss man sich über deren Wertstabilität in aller Regel keine allzu großen Sorgen machen.

Fazit zur Haute Horlogerie

Hochwertigkeit, Handwerkskunst, Tradition, Innovation und das Streben nach schierer Perfektion: Das alles verbindet die meisterhaften Uhren der Haute Horlogerie. Letztendlich sind es technische Raffinessen, aufwändige Veredelungen und der gelungene Einsatz so mancher komplexer Komplikation, die sie von der großen Masse an anderen, weniger wertigen Zeitmessern abheben.


Über den Autor

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Philipp Mayrhofer

Hallo, mein Name ist Philipp. Meine ersten Berührungspunkte mit Luxusuhren hatte ich tatsächlich durch YouTube und die vielen Uhrenreviews, die es dort zu sehen gibt. Hierdurch konnte ich mir bereits ein umfangreiches Uhrenwissen aneignen.