Uhren & Technik

Uhrenbeweger und Automatikuhr aufziehen: Wann er sich lohnt und wie Sie ihn einstellen

Von Philipp Mayrhofer—07.11.2026 — 5 Min. Lesezeit

Eine Automatikuhr zieht sich beim Tragen selbst auf. Liegt sie ein paar Tage in der Schublade, bleibt sie stehen. Ein Uhrenbeweger hält sie in Gang, doch nicht jede Sammlung braucht einen. Wir erklären, wie der automatische Aufzug funktioniert, wie Sie eine Automatikuhr richtig von Hand aufziehen und wann sich ein Uhrenbeweger lohnt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Automatikuhren ziehen sich über einen Rotor auf: Jede Armbewegung spannt die Zugfeder. Bleibt die Uhr liegen, läuft sie je nach Werk nach etwa 40 bis 80 Stunden aus.

  • Von Hand aufziehen geht immer: Rund 30 bis 40 Umdrehungen an der Krone reichen, um eine stehende Automatikuhr zu starten.

  • Ein Uhrenbeweger ist sinnvoll bei Uhren mit ewigem Kalender, Mondphase oder Jahreskalender und bei Sammlungen, in denen mehrere Uhren im Wechsel getragen werden.

  • Richtig einstellen: Die meisten Werke brauchen 650 bis 950 Umdrehungen pro Tag (TPD), manche nur in eine Drehrichtung.

  • Pflicht ist er nicht: Eine Uhr nimmt keinen Schaden, wenn sie stehen bleibt. Wichtiger ist die regelmäßige Revision.

So funktioniert der automatische Aufzug

Im Werk einer Automatikuhr sitzt ein Rotor, eine halbkreisförmige Schwungmasse, die sich bei jeder Bewegung des Handgelenks dreht. Über ein Getriebe spannt er die Zugfeder, die das Werk antreibt. Ist die Feder voll gespannt, rutscht sie über eine Schleppfeder durch. Eine Automatikuhr lässt sich deshalb nicht überdrehen, weder am Handgelenk noch auf dem Uhrenbeweger noch über die Krone.

Wie lange die Uhr ohne Bewegung weiterläuft, bestimmt die Gangreserve. Klassische Werke kommen auf etwa 40 Stunden, moderne Kaliber deutlich weiter: Das Rolex Kaliber 3235 in der Rolex Datejust läuft rund 70 Stunden, das Omega Kaliber 8800 in der Omega Seamaster Diver 300M rund 55 Stunden. Wer seine Uhr am Freitagabend ablegt, findet sie bei 70 Stunden Gangreserve am Montagmorgen meist noch laufend vor.

Automatikuhr von Hand aufziehen: Schritt für Schritt

Steht die Uhr, ziehen Sie sie am besten von Hand auf, statt sie zu schütteln. Das schont das Werk und bringt sofort volle Gangreserve.

  • Krone lösen: Bei verschraubter Krone, etwa bei Taucheruhren, die Krone zuerst gegen den Uhrzeigersinn aufschrauben, bis sie herausspringt. Sie steht dann in der Aufzugsposition.

  • Aufziehen: Die Krone im Uhrzeigersinn drehen, rund 30 bis 40 volle Umdrehungen. Bei vielen Werken spüren Sie keinen Anschlag, das ist normal.

  • Zeit und Datum stellen: Die Krone herausziehen und die Zeit einstellen. Das Datum möglichst nicht zwischen etwa 21 und 3 Uhr per Schnellschaltung verstellen, weil in dieser Zeit bei vielen Werken der Datumswechsel eingreift.

  • Krone zurück: Hineindrücken und bei verschraubter Krone wieder vollständig festschrauben, sonst ist die Uhr nicht wasserdicht.

Bei einer Handaufzugsuhr gilt eine Ausnahme: Hier spüren Sie am Ende einen Widerstand. Dann hören Sie auf und drehen nicht mit Kraft weiter.

Wann sich ein Uhrenbeweger lohnt

Ein Uhrenbeweger dreht die Uhr in regelmäßigen Intervallen und ersetzt so die Bewegung am Handgelenk. Drei Fälle sprechen klar dafür:

  • Komplizierte Kalender: Ein ewiger Kalender, ein Jahreskalender oder eine Mondphase lassen sich nach einem Stillstand nur mühsam neu einstellen. Hier spart der Uhrenbeweger viel Zeit.

  • Mehrere Uhren im Wechsel: Wer drei oder mehr Automatikuhren besitzt und sie abwechselnd trägt, greift morgens zu einer laufenden Uhr mit korrekter Zeit.

  • Präsentation: Viele Sammler nutzen den Uhrenbeweger auch als Aufbewahrung, in der die Uhren geschützt und sichtbar liegen.

Für eine einzelne Uhr, die Sie fast täglich tragen, braucht es dagegen keinen Uhrenbeweger. Auch Uhren mit reinem Datum und langer Gangreserve lassen sich bequem von Hand aufziehen.

Den Uhrenbeweger richtig einstellen

Zwei Werte entscheiden: die Umdrehungen pro Tag (TPD, turns per day) und die Drehrichtung. Die meisten Automatikwerke ziehen in beide Richtungen auf und brauchen zwischen 650 und 950 Umdrehungen pro Tag. Einige Werke, etwa das verbreitete Chronographenkaliber Valjoux 7750, ziehen nur in eine Richtung auf. Die genauen Werte für Ihr Kaliber nennt der Hersteller des Uhrenbewegers oder der Uhr.

Unsere Empfehlung: Starten Sie mit beidseitiger Drehrichtung und rund 800 Umdrehungen. Läuft die Uhr nach einigen Tagen nach oder bleibt sie stehen, erhöhen Sie die Zahl. Mehr Umdrehungen als nötig schaden nicht, verursachen aber unnötigen Verschleiß an Rotorlager und Aufzug. Wie ganggenau Ihre Uhr laufen sollte, erklärt unser Beitrag COSC und Master Chronometer.

Schadet ein Uhrenbeweger der Uhr?

Ein guter Uhrenbeweger schadet der Uhr nicht. Sobald die Tagesumdrehungen erreicht sind, lässt er die Uhr ruhen. Sein Motor ist abgeschirmt, sodass das Werk nicht magnetisiert wird. Bedenken sollten Sie nur eines: Eine Uhr, die dauerhaft läuft, nutzt sich ähnlich ab wie eine getragene Uhr. Das Revisionsintervall von meist fünf bis zehn Jahren gilt deshalb auch für Uhren auf dem Uhrenbeweger. Umgekehrt nimmt eine Uhr keinen Schaden, wenn sie einige Wochen stillsteht. Die Öle im Werk verharzen nicht in Tagen oder Wochen.

Welcher Uhrenbeweger passt?

Die wichtigste Frage ist die Zahl der Plätze. Für eine einzelne Uhr reicht ein Modell wie der Paul Design Gentlemen 1 für 240 Euro. Wer mehrere Uhren hat, wählt ein Modell mit drei, vier oder mehr Rotoren, bei dem jeder Platz einzeln programmierbar ist, etwa den Paul Design Gentlemen 3 für 590 Euro. Kombimodelle wie der Gentlemen 4+6 verbinden vier Rotoren mit sechs festen Ablageplätzen für Uhren, die gerade nicht laufen müssen.

Häufige Fragen

Wie lange läuft eine Automatikuhr ohne Bewegung?

Das hängt von der Gangreserve ab. Klassische Werke laufen etwa 40 Stunden, moderne Kaliber 55 bis 80 Stunden. Danach bleibt die Uhr stehen und muss neu gestellt werden.

Kann man eine Automatikuhr überdrehen?

Nein. Eine Rutschkupplung an der Zugfeder verhindert das Überdrehen, sowohl beim Aufziehen über die Krone als auch auf dem Uhrenbeweger.

Wie viele Umdrehungen braucht meine Uhr auf dem Uhrenbeweger?

Die meisten Automatikwerke brauchen 650 bis 950 Umdrehungen pro Tag, meist in beide Richtungen. Einige Werke ziehen nur in eine Richtung auf. Im Zweifel mit rund 800 Umdrehungen beidseitig beginnen.

Ist es schlimm, wenn eine Automatikuhr stehen bleibt?

Nein. Die Uhr nimmt keinen Schaden. Sie ziehen sie von Hand auf, stellen Zeit und Datum und tragen sie weiter.

Braucht eine Quarzuhr einen Uhrenbeweger?

Nein. Quarzuhren werden von einer Batterie angetrieben und laufen ohne Bewegung weiter.

Fazit

Eine Automatikuhr kommt auch ohne Uhrenbeweger gut aus: Von Hand aufziehen, Zeit stellen, fertig. Wer jedoch mehrere Uhren im Wechsel trägt oder eine Uhr mit Kalenderkomplikation besitzt, spart sich mit einem Uhrenbeweger das ständige Neustellen. Alle Modelle finden Sie in unserer Auswahl Uhrenbeweger. Bei Fragen zu Ihrem Kaliber beraten wir Sie gerne persönlich in unserem Showroom in Bamberg, telefonisch oder per WhatsApp.

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