Wissensdonnerstag #6: COSC und Master Chronometer – was ist der Unterschied?
Zwei Begriffe, ein Versprechen: höchste Ganggenauigkeit. Auf vielen Zifferblättern steht „Chronometer“, auf Omega-Uhren „Master Chronometer“. Beide Angaben sind geschützt und beruhen auf unabhängigen Prüfungen, sie bedeuten aber nicht dasselbe.
Die wichtigsten Punkte
- COSC ist der etablierte Standard. Die Schweizer Prüfstelle testet das Uhrwerk 15 Tage lang. Erlaubt sind –4 bis +6 Sekunden pro Tag.
- Master Chronometer geht darüber hinaus. METAS prüft die fertige Uhr, unter anderem bei 15.000 Gauss. Erlaubt sind 0 bis +5 Sekunden pro Tag.
- Die Prüfungen bauen aufeinander auf. Ein Master Chronometer hat zuvor die COSC-Prüfung bestanden.
COSC: Die Chronometerprüfung
COSC steht für Contrôle Officiel Suisse des Chronomètres, eine unabhängige Schweizer Prüfstelle. Sie testet mechanische Uhrwerke nach der Norm ISO 3159 über 15 Tage, in fünf Lagen und bei drei Temperaturen. Geprüft wird das Werk ohne Gehäuse. Besteht es, darf die Uhr den Titel „Chronometer“ tragen. Die zulässige mittlere tägliche Gangabweichung liegt bei –4 bis +6 Sekunden.
Klingt viel, ist es aber nicht: Eine mechanische Uhr ohne Chronometerzertifikat kann deutlich größere Abweichungen haben. Marken wie Breitling lassen ihre Werke grundsätzlich COSC-prüfen.
Master Chronometer: Die Prüfung nach METAS
Master Chronometer ist ein Standard, den Omega gemeinsam mit METAS entwickelt hat, dem Eidgenössischen Institut für Metrologie. Geprüft wird nicht mehr das nackte Werk, sondern die fertige Uhr. In acht Tests über zehn Tage geht es um Ganggenauigkeit in verschiedenen Lagen und Temperaturen, Gangreserve, Wasserdichtigkeit und Magnetfeldresistenz bis 15.000 Gauss. Die erlaubte Abweichung liegt bei 0 bis +5 Sekunden pro Tag.
Die Magnetfeldprüfung ist im Alltag besonders relevant. Lautsprecher, Taschenverschlüsse und elektronische Geräte erzeugen Magnetfelder, die eine Uhr spürbar aus dem Takt bringen können.
Warum mechanische Uhren überhaupt abweichen
Das Herz eines mechanischen Uhrwerks ist die Unruh, ein Schwingsystem aus Reif und Spiralfeder. Schon kleinste Einflüsse verändern ihre Schwingung: Temperatur, die Lage der Uhr, der Spannungszustand der Zugfeder und Magnetfelder. Ein Werk, das flach auf dem Tisch liegt, läuft anders als eines, das senkrecht am Handgelenk hängt. Deshalb wird bei Chronometerprüfungen in mehreren Lagen und bei verschiedenen Temperaturen gemessen.
Moderne Werkstoffe wie Spiralfedern aus Silizium oder speziellen Legierungen machen Werke unempfindlicher gegen Magnetismus und Temperatur. Diese Entwicklung ist ein Grund, warum strengere Normen wie Master Chronometer heute überhaupt erreichbar sind.
Und Rolex?
Auch Rolex lässt seine Werke zunächst von der COSC prüfen. Danach testet die Manufaktur die fertige Uhr erneut im eigenen Haus und setzt engere Grenzen: –2 bis +2 Sekunden pro Tag. Das Ergebnis heißt bei Rolex „Superlative Chronometer“.
Beispiele aus dem Sortiment
Breitling lässt alle Uhrwerke als Chronometer prüfen. Die Modelle der Breitling Chronomat B01 42 tragen den Schriftzug „Chronometer“ auf dem Zifferblatt, ihr Manufakturkaliber B01 ist COSC-geprüft. Weitere Modelle finden Sie unter Breitling Chronomat.
Die Omega Seamaster Diver 300M 210.30.42.20.01.001 trägt den Schriftzug „Co-Axial Master Chronometer“. Co-Axial bezeichnet das Hemmungssystem, Master Chronometer die bestandene METAS-Prüfung. Beide Angaben zusammen beschreiben, wie das Werk arbeitet und wie es geprüft wurde.
Weitere zertifizierte Modelle finden Sie unter Chronometer Uhren und in der Auswahl an Omega Seamaster Diver 300M.
Häufige Fragen (FAQ)
Geht ein Chronometer immer genauer als eine andere Uhr?
Das Zertifikat belegt, dass das Werk unter Prüfbedingungen die Grenzwerte eingehalten hat. Im Alltag beeinflussen Tragegewohnheiten, Lage und Gangreserve die Genauigkeit.
Können Quarzuhren Chronometer sein?
Ja, die COSC prüft auch Quarzwerke nach eigenen, deutlich engeren Grenzwerten.
Was bedeutet 15.000 Gauss?
Ein sehr starkes Magnetfeld, weit stärker als alles, was im Alltag vorkommt. Eine Uhr, die das übersteht, ist praktisch unempfindlich gegen Magnetismus.
Fazit
COSC ist der Branchenstandard für mechanische Präzision. Master Chronometer und Superlative Chronometer sind strengere Weiterentwicklungen, die die fertige Uhr prüfen und engere Grenzen setzen. Wer auf dem Zifferblatt eines dieser Wörter liest, weiß: Diese Uhr wurde nachgemessen.
Der Wissensdonnerstag erscheint jede Woche auf Instagram und Facebook. Hier im Uhrenmagazin finden Sie jede Folge ausführlicher – mit Hintergrund, Beispielen aus dem Sortiment und den häufigsten Fragen.


































