Wissensdonnerstag #8: Was ist eigentlich eine Komplikation?
In der Uhrmacherei gilt jede Funktion, die über Stunden, Minuten und Sekunden hinausgeht, als Komplikation. Streng genommen zählt schon das Datum dazu. Richtig anspruchsvoll wird es, wenn ein Uhrwerk rechnen muss: mit Zeitintervallen, Monatslängen oder dem Lauf des Mondes. Und das allein mit Federn, Rädern und Hebeln.
Die wichtigsten Punkte
- Komplikation heißt Zusatzfunktion. Vom Datum über den Chronographen bis zum ewigen Kalender.
- Kalender sind die Rechenkünstler. Je mehr eine Uhr über den Kalender weiß, desto mehr Bauteile muss das Werk koordinieren.
- Der ewige Kalender ist die Königsklasse. Er kennt Monatslängen und Schaltjahre und muss erst im Jahr 2100 korrigiert werden.
Der Chronograph: Zeit messen
Die bekannteste Komplikation ist der Chronograph. Er misst Zeitintervalle unabhängig von der Uhrzeit, gesteuert über zwei Drücker: Der obere startet und stoppt, der untere setzt zurück. Hilfszifferblätter zählen die gestoppten Minuten und Stunden.
Viele Chronographen tragen eine Tachymeterskala auf der Lünette. Sie macht aus einer gestoppten Zeit eine Geschwindigkeit: Wird die Zeit für einen Kilometer gemessen, zeigt die Skala den Schnitt in Kilometern pro Stunde. Mehr dazu in unserem Artikel über das Tachymeter.
Der Jahreskalender: 30 oder 31 Tage
Eine einfache Datumsanzeige springt jeden Monat bis zur 31. Hat ein Monat nur 30 Tage, muss sie von Hand korrigiert werden, fünfmal im Jahr. Ein Jahreskalender unterscheidet selbstständig zwischen Monaten mit 30 und 31 Tagen. Nur Ende Februar braucht er einmal im Jahr eine Korrektur. Patek Philippe hat diese Komplikation 1996 vorgestellt und damit eine Lücke zwischen einfachem Datum und ewigem Kalender geschlossen.
Der ewige Kalender: Bis zum Jahr 2100
Der ewige Kalender kennt auch den Februar und die Schaltjahre. Dafür braucht das Werk ein Programmrad, das einen Vierjahreszyklus abbildet. Korrigiert werden muss er erst im Jahr 2100, denn nach dem gregorianischen Kalender ist 2100 kein Schaltjahr. Eine Übersicht über diese Uhren finden Sie unter Ewige Kalender Uhren.
Die Mondphase
Die Mondphasenanzeige bildet den synodischen Monat nach, die Zeit von Neumond zu Neumond, rund 29,5 Tage. Einfache Anzeigen weichen nach etwa zweieinhalb Jahren um einen Tag ab, präzise Konstruktionen erst nach über hundert Jahren. Mondphasen finden sich häufig in Kombination mit Kalendern.
Weitere Komplikationen im Überblick
- Flyback – Ein Chronograph, der sich mit einem Druck zurücksetzen und neu starten lässt. Mehr dazu im Artikel über die Flyback-Funktion.
- GMT und Weltzeit – Anzeige weiterer Zeitzonen, erklärt in Wissensdonnerstag #3.
- Gangreserveanzeige – Zeigt, wie viel Energie noch in der Zugfeder steckt.
- Minutenrepetition – Schlägt die Uhrzeit auf Knopfdruck mit Tonfedern und gilt als eine der anspruchsvollsten Komplikationen überhaupt.
Das Tourbillon wird oft dazugezählt, ist aber genau genommen keine Anzeige, sondern eine Vorrichtung zum Ausgleich von Gangabweichungen. Mehr dazu im Artikel All eyes on Tourbillon.
Beispiele aus dem Sortiment
Die Omega Speedmaster Moonwatch Professional 310.32.42.50.01.001 ist der bekannteste Chronograph der Welt, mit Tachymeterskala auf der Lünette.
Die Patek Philippe Jahreskalender 5147G-001 verbindet den Jahreskalender mit Mondphase und Gangreserveanzeige. Wochentag, Datum und Monat werden jeweils in eigenen Fenstern beziehungsweise auf Hilfszifferblättern angezeigt.
Die Patek Philippe Ewiger Kalender Chronograph 5270P-001 ist die Königsklasse: ewiger Kalender, Chronograph und Mondphase in einem Platingehäuse. Weitere Modelle finden Sie unter Patek Philippe Grandes Complications und Patek Philippe Komplizierte Uhren.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist ein Datum eine Komplikation?
Formal ja, denn es geht über die reine Zeitanzeige hinaus. Im Sprachgebrauch meint man mit Komplikation meist aufwendigere Funktionen.
Was ist der Unterschied zwischen Jahreskalender und ewigem Kalender?
Der Jahreskalender muss einmal im Jahr Ende Februar korrigiert werden. Der ewige Kalender kennt auch Februar und Schaltjahre und läuft bis 2100 ohne Korrektur.
Was passiert, wenn ein ewiger Kalender stehen bleibt?
Er muss neu eingestellt werden, meist über Korrekturdrücker. Deshalb lohnt sich bei solchen Uhren ein Uhrenbeweger.
Fazit
Komplikationen zeigen, was Mechanik leisten kann. Ein Chronograph misst, ein Jahreskalender zählt, ein ewiger Kalender rechnet über Jahrzehnte voraus. Je mehr eine Uhr über den Kalender weiß, desto mehr Uhrmacherkunst steckt in ihrem Werk.
Der Wissensdonnerstag erscheint jede Woche auf Instagram und Facebook. Hier im Uhrenmagazin finden Sie jede Folge ausführlicher – mit Hintergrund, Beispielen aus dem Sortiment und den häufigsten Fragen.


































