Uhrenwissen

Wissensdonnerstag #13: Warum leuchtet eine Uhr im Dunkeln?

Von Philipp Mayrhofer —22.10.2026 — 4 Min. Lesezeit

Ein Blick auf die Uhr im dunklen Schlafzimmer, im Kino oder unter Wasser: Zeiger und Indizes leuchten, obwohl keine Lampe brennt. Dahinter steckt Leuchtmasse, die Licht aufnimmt und es im Dunkeln langsam wieder abgibt. Das war nicht immer so. Die ersten Leuchtzifferblätter strahlten aus eigener Kraft, weil sie radioaktive Stoffe enthielten. Zwei Uhren aus dem Sortiment zeigen, wie eng diese Geschichte mit heutigen Modellen verbunden ist: Die Panerai Luminor Marina 44 trägt sie im Namen, die Rolex Explorer II setzt auf eine eigene Leuchtmasse mit blauem Schein.

Die wichtigsten Punkte

  • Frühe Leuchtmassen waren radioaktiv. Erst Radium, später Tritium sorgten dafür, dass Zifferblätter ohne vorheriges Aufladen leuchteten.
  • Heutige Leuchtmasse speichert Licht. Pigmente auf Basis von Strontiumaluminat laden sich bei Tageslicht oder unter einer Lampe auf und lassen sich beliebig oft neu aufladen.
  • Viele Marken haben eigene Namen für ihre Leuchtmasse. Super-LumiNova ist weit verbreitet, Rolex setzt seit 2008 auf Chromalight.

Radium und Tritium: Leuchten aus eigener Kraft

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts mischten Hersteller Radium mit einem Leuchtstoff wie Zinksulfid. Die Strahlung regte den Leuchtstoff dauerhaft an, das Zifferblatt glühte ohne jede Lichtquelle. Der Preis dafür war die Radioaktivität, die vor allem für die Menschen gefährlich war, die die Farbe von Hand auftrugen. Ab der Mitte des Jahrhunderts setzte sich Tritium durch. Das radioaktive Wasserstoffisotop strahlt deutlich schwächer, hat aber eine Halbwertszeit von gut zwölf Jahren. Die Leuchtkraft älterer Tritium-Zifferblätter lässt deshalb über die Jahrzehnte spürbar nach.

Strontiumaluminat: Licht speichern statt strahlen

1993 entwickelte das japanische Unternehmen Nemoto mit LumiNova eine Leuchtmasse auf Basis von Strontiumaluminat. Seit 1998 wird sie in der Schweiz unter dem Namen Super-LumiNova hergestellt. Das Prinzip heißt Phosphoreszenz: Die Pigmente nehmen Energie aus Tageslicht oder Kunstlicht auf und geben sie im Dunkeln als Leuchten wieder ab. Unmittelbar nach dem Aufladen ist das Leuchten am hellsten, danach wird es allmählich schwächer. Radioaktivität spielt dabei keine Rolle mehr. Der Ladevorgang lässt sich beliebig oft wiederholen. Gerade bei Taucheruhren ist gute Ablesbarkeit im Dunkeln ein zentrales Kriterium, wie Wissensdonnerstag #7: Was macht eine echte Taucheruhr aus? zeigt.

Panerai: Leuchtmasse als Namensgeber

Bei Panerai stecken die Namen der beiden großen Linien voller Leuchtmasse-Geschichte. 1916 ließ das Florentiner Unternehmen Radiomir patentieren, ein Leuchtpulver auf Radiumbasis, mit dem Instrumente der italienischen Marine auch nachts ablesbar blieben. 1949 folgte Luminor, eine neue Leuchtmasse auf Tritiumbasis, die Radiomir ablöste. Beide Namen tragen heute ganze Uhrenfamilien. Die Luminor Marina 44 mit der Referenz PAM03314 verbindet den markanten Kronenschutzbügel mit dem Automatikkaliber P.980, 72 Stunden Gangreserve und einer Wasserdichtigkeit bis 500 Meter.

Rolex Chromalight: Blau statt Grün

2008 stellte Rolex eine eigene Leuchtmasse vor: Chromalight. Nach Angaben von Rolex besteht sie aus Aluminium, Strontium, Dysprosium und Europium. Bei Tageslicht erscheint sie weiß, im Dunkeln leuchtet sie blau. Damit unterscheidet sie sich auf den ersten Blick vom typischen Grün vieler anderer Leuchtmassen. Die Explorer II mit der Referenz 226570 trägt Chromalight auf Zeigern und Indizes. Die Linie wurde für Expeditionen und Höhlenforschung konzipiert, also für Umgebungen, in denen die Zeit auch ohne Licht ablesbar bleiben muss. Das Kaliber 3285 arbeitet mit rund 70 Stunden Gangreserve, der zusätzliche 24-Stunden-Zeiger hilft dabei, Tag und Nacht zu unterscheiden. Wie dieser Zeiger als zweite Zeitzone funktioniert, erklärt Wissensdonnerstag #3: Was ist eine GMT-Uhr und wofür braucht man sie?

Beispiele aus dem Sortiment

Die Panerai Luminor Marina 44 PAM03314 verbindet ein silbernes Zifferblatt mit einem 44 Millimeter großen Kissengehäuse aus Edelstahl. Die Panerai Radiomir Officine PAM01382 trägt den ältesten Leuchtmasse-Namen der Marke und arbeitet mit dem Handaufzugskaliber P.6000.

Die Rolex Explorer II führt HORANDO mit schwarzem Zifferblatt (226570-0002) und mit weißem Zifferblatt (226570-0001). Beide Varianten messen 42 Millimeter und tragen Chromalight auf Zeigern und Indizes.

Weitere Modelle finden Sie unter Panerai Luminor, Panerai Radiomir und Rolex Explorer II.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist die Leuchtmasse moderner Uhren radioaktiv?

Nein. Leuchtmassen auf Basis von Strontiumaluminat wie Super-LumiNova oder Chromalight enthalten keine radioaktiven Stoffe. Sie leuchten erst, nachdem sie Licht aufgenommen haben. Radium und Tritium finden sich vor allem in älteren Uhren.

Wie lange leuchtet eine Uhr im Dunkeln?

Das hängt von Menge und Qualität der Leuchtmasse sowie von der vorherigen Aufladung ab. Direkt nach hellem Licht ist das Leuchten am stärksten. Danach lässt es über mehrere Stunden allmählich nach. Gut aufgeladene Indizes bleiben für das an die Dunkelheit gewöhnte Auge oft bis in die Morgenstunden erkennbar. Schon kurze Zeit im Licht genügt, um die Leuchtmasse erneut aufzuladen.

Lässt sich nachlassende Leuchtkraft erneuern?

Moderne Leuchtmasse altert nur sehr langsam. Bei älteren Uhren mit Tritium ist die Leuchtkraft dagegen meist weitgehend erloschen. Ein neuer Auftrag verändert jedoch den Originalzustand von Zifferblatt und Zeigern und kann den Sammlerwert beeinflussen. Vor einem solchen Eingriff empfiehlt sich deshalb die Beratung durch einen Partneruhrmacher. Wie Zifferblatt und Gehäuse im Alltag geschützt bleiben, beschreibt der Artikel Uhren richtig aufbewahren.

Fazit

Uhren leuchten im Dunkeln, weil ihre Leuchtmasse Licht speichert und langsam wieder abgibt. Radium und Tritium strahlten noch aus eigener Kraft, heutige Pigmente wie Super-LumiNova oder Chromalight kommen ohne Radioaktivität aus. Bei Panerai erinnern die Namen Radiomir und Luminor bis heute an diese Entwicklung, bei Rolex zeigt das blaue Leuchten der Explorer II eine eigene Handschrift. Ob Grün oder Blau besser gefällt, bleibt eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Der Wissensdonnerstag erscheint jede Woche auf Instagram und Facebook. Hier im Uhrenmagazin finden Sie jede Folge ausführlicher – mit Hintergrund, Beispielen aus dem Sortiment und den häufigsten Fragen.

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