Uhrenwissen

Wissensdonnerstag #11: Was bedeutet Swiss Made wirklich?

Von Philipp Mayrhofer—08.10.2026 — 4 Min. Lesezeit

Auf vielen Zifferblättern stehen bei sechs Uhr nur zwei Wörter: Swiss Made. In Deutschland hat die Angabe Glashütte ein ähnliches Gewicht. Beide Bezeichnungen sind keine Gestaltungselemente, sondern gesetzlich geschützte Herkunftsangaben mit festgelegten Mindestanforderungen. Was genau dahintersteht, zeigen eine IWC Portugieser aus Schaffhausen und die Lange 1 von A. Lange & Söhne aus Glashütte.

Die wichtigsten Punkte

  • Swiss Made ist in der Schweiz per Verordnung geregelt. Seit 2017 müssen mindestens 60 Prozent der Herstellungskosten einer Uhr in der Schweiz anfallen.
  • Auch das Werk muss schweizerisch sein. Technische Entwicklung, Einschalen und Endkontrolle der Uhr finden ebenfalls in der Schweiz statt.
  • Glashütte ist in Deutschland seit 2022 geschützt. Mehr als 50 Prozent der Wertschöpfung müssen im Herkunftsgebiet entstehen, zentrale Fertigungsschritte vollständig in Glashütte.

Was Swiss Made rechtlich bedeutet

Grundlage ist die Schweizer Verordnung über die Benützung des Schweizer Namens für Uhren, kurz Swiss-Made-Verordnung. Im Zuge der sogenannten Swissness-Gesetzgebung wurde sie deutlich verschärft, die neuen Regeln gelten seit dem 1. Januar 2017. Eine Uhr darf seither nur als schweizerisch bezeichnet werden, wenn mindestens 60 Prozent ihrer Herstellungskosten in der Schweiz anfallen, das Werk in der Schweiz eingeschalt wird und der Hersteller die Endkontrolle in der Schweiz durchführt.

Hinzu kommt die technische Entwicklung: Bei mechanischen Uhren müssen mindestens Konstruktion und Prototypenbau in der Schweiz stattfinden. Diese Anforderung gilt nach einer Übergangsfrist seit dem 1. Januar 2019. Vor 2017 lag die Messlatte niedriger. Entscheidend war damals vor allem, dass Schweizer Bestandteile mindestens die Hälfte des Werts des Uhrwerks ausmachten.

Das Werk muss ebenfalls schweizerisch sein

Ein Schweizer Gehäuse allein reicht nicht. Das Uhrwerk muss selbst die Kriterien eines Schweizer Werks erfüllen: Es wird in der Schweiz technisch entwickelt, zusammengesetzt und vom Hersteller kontrolliert. Mindestens 60 Prozent seiner Herstellungskosten müssen in der Schweiz entstehen, zudem müssen Schweizer Bestandteile mindestens die Hälfte des Werts aller Bestandteile ausmachen.

Ob das Werk von einem spezialisierten Werkehersteller oder aus eigener Fertigung stammt, spielt für Swiss Made keine Rolle. Den Unterschied zwischen beiden Wegen erklärt Wissensdonnerstag #10: Was ist ein Manufakturkaliber?. Die Geschichte der bekanntesten Schweizer Basiswerke beschreibt der Artikel ETA Werke – Exklusive Technologien aus der Schweiz.

IWC Portugieser: Schweizer Herkunft aus eigenem Haus

IWC fertigt seit 1868 in Schaffhausen. In der Portugieser Automatic mit der Referenz IW358304 arbeitet das Manufakturkaliber 82200. Sein Pellaton-Aufzug zieht die Zugfeder in beiden Drehrichtungen des Rotors auf, die stark beanspruchten Klinken bestehen aus nahezu verschleißfreier Keramik. Die Gangreserve beträgt 60 Stunden. Konstruktion, Werk und Endkontrolle liegen bei dieser Uhr in Schaffhausen und damit vollständig in der Schweiz.

Glashütte: die deutsche Herkunftsangabe

In Deutschland gilt seit März 2022 die Glashütte-Verordnung. Eine Uhr darf die Angabe Glashütte nur tragen, wenn in allen wesentlichen Herstellungsstufen zusammen mehr als 50 Prozent der Wertschöpfung im Herkunftsgebiet erzielt werden. Montage und Ingangsetzen des Uhrwerks, die Reglage, die Montage des Zifferblatts, das Setzen der Zeiger und das Einschalen müssen vollständig in der Stadt Glashütte erfolgen. Nach Solingen für Schneidwaren ist Glashütte erst die zweite geografische Herkunftsangabe in Deutschland mit einer eigenen Schutzverordnung.

Für die Tradition des Ortes steht die Lange 1 von A. Lange & Söhne. Sie wurde 1994 vorgestellt, vier Jahre nach der Wiedergründung der Marke. Die Uhr markiert den Neubeginn der Manufaktur im Müglitztal. Ihre asymmetrische Zifferblattaufteilung und das Großdatum prägen die Marke bis heute.

Beispiele aus dem Sortiment

Die IWC Portugieser Automatic IW358304 zeigt Swiss Made aus eigener Manufaktur: Kaliber 82200, Pellaton-Aufzug und 60 Stunden Gangreserve im 40,4 Millimeter großen Edelstahlgehäuse. Weitere Modelle finden Sie unter IWC Portugieser und IWC.

Uhren aus Glashütte vertreten im Sortiment unter anderem die A. Lange & Söhne Saxonia Annual Calendar 330.032E und die Glashütte Original SeaQ Panoramadatum 1-36-13-04-91-34. Die gesamte Auswahl finden Sie unter A. Lange & Söhne und Glashütte Original.

Häufige Fragen (FAQ)

Ist Swiss Made ein Qualitätssiegel?

Nein. Swiss Made ist eine Herkunftsangabe. Sie legt fest, wo wesentliche Schritte der Herstellung stattfinden und wie hoch der Schweizer Kostenanteil mindestens sein muss. Über die Ganggenauigkeit sagt eine Chronometerprüfung mehr aus, wie Wissensdonnerstag #6 zu COSC und Master Chronometer zeigt.

Was bedeutet Swiss Movement auf einer Uhr?

Die Angabe Swiss Movement bezieht sich nur auf das Uhrwerk. Sie besagt, dass das Werk die Anforderungen an ein Schweizer Werk erfüllt. Die Uhr als Ganzes muss die Kriterien für Swiss Made dann nicht zwingend erfüllen.

Dürfen Uhren aus Glashütte Teile von außerhalb enthalten?

Ja. Die Verordnung verlangt mehr als 50 Prozent der Wertschöpfung im Herkunftsgebiet sowie bestimmte Fertigungsschritte in der Stadt Glashütte. Einzelne Bauteile dürfen auch von außerhalb stammen, für bestimmte Zulieferungen und Veredelungen zählen zudem festgelegte Nachbarorte zum Herkunftsgebiet.

Fazit

Swiss Made und Glashütte beschreiben, wo eine Uhr entsteht – mit festgelegten Mindeststandards dahinter. In der Schweiz zählen Herstellungskosten, Schweizer Werk, Einschalen und Endkontrolle, in Glashütte die Wertschöpfung und zentrale Montageschritte vor Ort. Beide Angaben schaffen Klarheit über die Herkunft, ersetzen aber nicht den Blick auf Werk, Verarbeitung und Zustand der einzelnen Uhr.

Der Wissensdonnerstag erscheint jede Woche auf Instagram und Facebook. Hier im Uhrenmagazin finden Sie jede Folge ausführlicher – mit Hintergrund, Beispielen aus dem Sortiment und den häufigsten Fragen.

Mehr aus Uhrenwissen

Alle Beiträge