Wissensdonnerstag #14: Wie wasserdicht ist eine Uhr wirklich?
Ob 30, 50 oder 300 Meter: Fast jede Armbanduhr trägt eine Angabe zur Wasserdichtigkeit auf Zifferblatt oder Gehäuseboden. Viele lesen diese Zahl als maximale Tauchtiefe. Tatsächlich beschreibt sie einen Prüfdruck, dem das Gehäuse unter Laborbedingungen standhält. Im Alltag kommen dagegen Bewegung, Temperaturwechsel, Seife und alternde Dichtungen hinzu. Drei Uhren aus dem Sortiment zeigen, was die Meterangabe in der Praxis bedeutet: die Omega Speedmaster Moonwatch Professional mit 50 Metern, die IWC Ingenieur Automatik 40 mit 100 Metern und die Longines HydroConquest mit 300 Metern.
Die wichtigsten Punkte
- Die Meterangabe ist ein Prüfdruck, keine Tauchtiefe. Sie steht für den Druck, dem das Gehäuse bei der Prüfung in ruhendem Zustand standhält.
- Die Krone ist die häufigste Schwachstelle. Eine verschraubte Krone sitzt fest auf ihrer Dichtung und erhöht die Sicherheit im Wasser deutlich.
- Dichtungen altern. Wasserdichtigkeit ist kein dauerhafter Zustand, sondern sollte regelmäßig und bei jeder Revision geprüft werden.
Was die Meterangabe wirklich bedeutet
Grundlage für Uhren mit der Angabe „wasserdicht“ ist die internationale Norm ISO 22810. Sie legt fest, welche Prüfungen eine Uhr bestehen muss, um diese Bezeichnung tragen zu dürfen. Die Mindestanforderung liegt bei einem Überdruck von 2 bar, was rechnerisch einer Wassersäule von 20 Metern entspricht. Geprüft wird unter kontrollierten Bedingungen: Die Uhr liegt ruhig im Wasser oder in einer Druckkammer, die Temperatur bleibt konstant, niemand betätigt Krone oder Drücker. Bewegung beim Schwimmen, ein Sprung ins Becken oder ein harter Wasserstrahl belasten die Dichtungen auf andere Weise als die ruhige Prüfung. Hinzu kommen Temperaturwechsel zwischen Sonne und kaltem Wasser sowie Seife und Sonnencreme, die Dichtungen angreifen können. Die Zahl auf dem Gehäuse ist deshalb eher eine Klasse als ein Versprechen für eine bestimmte Tiefe.
Die Krone als Schwachstelle
Jede Öffnung im Gehäuse ist eine mögliche Eintrittsstelle für Wasser: Glas, Boden, Drücker und vor allem die Krone. Über ihren Schaft ist sie direkt mit dem Uhrwerk verbunden und wird zum Aufziehen und Stellen regelmäßig bewegt. Eine verschraubte Krone wird nach dem Einstellen auf ein Gewinde am Gehäusetubus gedreht und presst sich dadurch fest auf die Dichtung. Entscheidend ist, die Krone nach jedem Einstellen wieder vollständig zu verschrauben. Bei Chronographen gilt zudem: Die Drücker sollten unter Wasser nicht betätigt werden, sofern der Hersteller das nicht ausdrücklich vorsieht.
Taucheruhren: die strengere Norm ISO 6425
Für Taucheruhren gilt zusätzlich die deutlich strengere Norm ISO 6425. Eine Taucheruhr muss mindestens 100 Meter wasserdicht sein und wird mit 125 Prozent des angegebenen Drucks geprüft. Dazu kommen Anforderungen an die Ablesbarkeit im Dunkeln, eine Vorrichtung zur Kontrolle der Tauchzeit wie eine einseitig drehbare Lünette, an Stoß- und Magnetfeldresistenz sowie an die Festigkeit des Armbands. Was eine Taucheruhr darüber hinaus ausmacht, erklärt Wissensdonnerstag #7: Was macht eine echte Taucheruhr aus?
Warum Dichtungen regelmäßig geprüft werden sollten
Die Wasserdichtigkeit einer Uhr ist eine Momentaufnahme. Dichtungen aus Kautschuk oder Kunststoff verlieren mit den Jahren an Elastizität. Hitze, Chlorwasser und Kosmetik beschleunigen diesen Prozess. Deshalb gehört eine Dichtigkeitsprüfung zu jeder Revision. Wer regelmäßig schwimmt, lässt die Dichtigkeit am besten einmal im Jahr durch einen Partneruhrmacher kontrollieren. Nach dem Baden im Meer empfiehlt es sich, die Uhr mit klarem Süßwasser abzuspülen. Weitere Hinweise zu Sonne, Sand und Salzwasser gibt der Artikel Uhren im Sommer richtig schützen. Wie die wasserdichte Armbanduhr überhaupt entstand, zeigt 100 Jahre Rolex Oyster.
Beispiele aus dem Sortiment
Die Omega Speedmaster Moonwatch Professional 310.30.42.50.01.001 ist bis 50 Meter wasserdicht. Regen, Händewaschen und Spritzwasser im Alltag sind kein Thema, auch Schwimmen ist möglich. Die Chronographendrücker bleiben unter Wasser jedoch unberührt, zum Tauchen ist der Handaufzugschronograph mit Kaliber 3861 nicht gebaut. Die IWC Ingenieur Automatik 40 IW328902 erreicht mit verschraubter Krone 100 Meter und begleitet damit ins Schwimmbad, ans Meer und zum Schnorcheln. Die Longines HydroConquest L3.781.4.56.6 ist mit 300 Metern, verschraubter Krone und einseitig drehbarer Keramiklünette als Taucheruhr ausgelegt.



Weitere Modelle finden Sie unter Omega Speedmaster Moonwatch Professional, IWC Ingenieur, Longines HydroConquest und in der Übersicht der Taucheruhren.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann man mit einer Uhr mit 30 Metern Wasserdichtigkeit schwimmen?
In der Regel ist eine Angabe von 30 Metern für Spritzwasser, Regen und Händewaschen ausgelegt. Zum Schwimmen empfehlen viele Hersteller mindestens 50 Meter, für regelmäßigen Wassersport 100 Meter mit verschraubter Krone. Maßgeblich sind immer die Angaben des jeweiligen Herstellers.
Darf eine Uhr mit unter die Dusche oder in die Sauna?
Beim Duschen kommen warmes Wasser, Seife und Shampoo zusammen. Seife kann Dichtungen angreifen, Wärme lässt Gehäuse und Dichtungen arbeiten. Für die Sauna gilt das umso mehr: Hohe Temperaturen und Feuchtigkeit belasten Dichtungen und Schmierstoffe. Die Uhr bleibt dort am besten im Spind.
Wie oft sollte die Wasserdichtigkeit geprüft werden?
Bei jeder Revision und nach jedem Öffnen des Gehäuses, etwa beim Batteriewechsel. Wer die Uhr regelmäßig im Wasser trägt, lässt die Dichtigkeit idealerweise einmal im Jahr prüfen. Ein Partneruhrmacher erledigt das mit einem Drucktestgerät in wenigen Minuten.
Fazit
Die Meterangabe auf einer Uhr beschreibt einen Prüfdruck unter Laborbedingungen, keine Tauchtiefe. 50 Meter genügen für den Alltag und gelegentliches Schwimmen, 100 Meter mit verschraubter Krone für regelmäßigen Wassersport, Taucheruhren nach ISO 6425 für das Tauchen. Weil Dichtungen altern, gehört eine Dichtigkeitsprüfung zu jeder Revision. So bleibt die Uhr auch nach Jahren zuverlässig geschützt.
Der Wissensdonnerstag erscheint jede Woche auf Instagram und Facebook. Hier im Uhrenmagazin finden Sie jede Folge ausführlicher – mit Hintergrund, Beispielen aus dem Sortiment und den häufigsten Fragen.



































