Wissensdonnerstag #7: Was macht eine echte Taucheruhr aus?
Schwarze Lünette und Stahlband reichen nicht. Was eine echte Taucheruhr ausmacht, legt die internationale Norm ISO 6425 fest. Sie beschreibt, was eine Uhr leisten muss, damit sie unter Wasser als Werkzeug taugt.
Die wichtigsten Punkte
- Mindestens 100 Meter Wasserdichtigkeit. Geprüft wird mit Überdruck, damit eine Sicherheitsreserve bleibt.
- Eine Tauchzeit-Einstellung, die sich nicht versehentlich verstellt. In der Regel eine einseitig drehbare Lünette.
- Ablesbarkeit im Dunkeln. Die Uhr muss in völliger Dunkelheit aus 25 Zentimetern ablesbar sein.
Was ISO 6425 verlangt
Die Norm verlangt eine Wasserdichtigkeit von mindestens 100 Metern. Geprüft wird bei 125 Prozent des angegebenen Werts, eine Uhr mit 300 Metern also bei 375 Metern. Hinzu kommen eine Einrichtung zur Vorwahl der Tauchzeit, Ablesbarkeit in völliger Dunkelheit sowie Prüfungen auf Stoßfestigkeit, Magnetfeldresistenz, Salzwasserbeständigkeit und die Festigkeit des Bandes. Uhren, die alle Prüfungen bestehen, dürfen die Aufschrift „Diver's“ mit der Tiefenangabe tragen.
Die Lünette: Der Fehler geht zur sicheren Seite
Vor dem Abtauchen stellt der Taucher die Markierung der Lünette auf den Minutenzeiger. Die Skala zeigt dann die verstrichene Tauchzeit. Die Lünette dreht sich nur gegen den Uhrzeigersinn. Verrutscht sie versehentlich, zeigt die Skala mehr Zeit an als vergangen ist, nie weniger. Der Fehler geht immer zur sicheren Seite, weil der Taucher dann eher zu früh auftaucht als zu spät.
Krone und Heliumventil
Die Krone ist die empfindlichste Öffnung im Gehäuse. Bei Taucheruhren wird sie deshalb verschraubt. Rolex verwendet bei der Submariner die Triplock-Krone mit drei Dichtungszonen.
Ein Heliumauslassventil ist dagegen nur für Sättigungstaucher wichtig. Sie leben tagelang in Druckkammern mit einem Gasgemisch, das Helium enthält. Die winzigen Heliumatome dringen durch die Dichtungen ins Gehäuse. Bei der Dekompression könnte der Überdruck im Inneren das Glas heraussprengen. Das Ventil lässt das Gas kontrolliert ab. Die Omega Seamaster Diver 300M trägt es bei 10 Uhr.
Was Angaben wie 3, 10 oder 30 bar im Alltag bedeuten, erklären wir ausführlich im Artikel 100 Jahre Rolex Oyster.
Leuchtmasse und Band
Unter Wasser wird es schnell dunkel. Deshalb tragen Taucheruhren großflächige Indizes und Zeiger mit Leuchtmasse, die Licht speichert und im Dunkeln wieder abgibt. Der Minutenzeiger und die Nullmarkierung der Lünette müssen sich dabei klar vom Rest unterscheiden, damit Tauchzeit und Uhrzeit nicht verwechselt werden. Viele Taucheruhren zeigen zusätzlich einen leuchtenden Punkt auf dem Sekundenzeiger, der anzeigt, dass die Uhr läuft.
Auch das Band gehört zur Ausstattung. Bandverlängerungen wie das Glidelock-System der Submariner oder Taucherverlängerungen an der Faltschließe erlauben es, die Uhr über einem Tauchanzug zu tragen. Im Alltag sorgen sie für eine feine Anpassung an das Handgelenk, etwa bei Wärme.
Beispiele aus dem Sortiment
Die Rolex Submariner Date 126610LN ist der Inbegriff der Taucheruhr: einseitig drehbare Keramiklünette, Triplock-Krone, wasserdicht bis 300 Meter.
Die Omega Seamaster Diver 300M 210.30.42.20.01.001 ergänzt das Prinzip um das Heliumauslassventil bei 10 Uhr. Das Detail ist keine zweite Krone, sondern ein Werkzeug für das Sättigungstauchen.
Die Breitling Superocean Automatic 42 A17375E71G1A1 zeigt: Andere Marke, gleiches Prinzip. Einseitig drehbare Lünette, verschraubte Krone, 300 Meter Wasserdichtigkeit und große Leuchtindizes. Das weiße Zifferblatt mit blauer Lünette beweist, dass ein Tauchwerkzeug nicht schwarz sein muss.
Weitere Modelle finden Sie in unserer Auswahl an Taucheruhren.
Häufige Fragen (FAQ)
Ist jede Uhr mit 100 Metern Wasserdichtigkeit eine Taucheruhr?
Nein. Die Wasserdichtigkeit ist nur eine Voraussetzung. Ohne Tauchzeit-Einstellung und Ablesbarkeit im Dunkeln ist es keine Taucheruhr im Sinne der Norm.
Brauche ich ein Heliumventil?
Nur beim Sättigungstauchen. Beim Sporttauchen und Schwimmen spielt es keine Rolle.
Muss die Krone beim Schwimmen verschraubt sein?
Ja. Eine nicht verschraubte Krone ist die häufigste Ursache für Wasser im Gehäuse.
Fazit
Eine Taucheruhr erkennt man nicht an der Farbe, sondern an Lünette, Krone, Dichtigkeit und Ablesbarkeit. Wer weiß, worauf es ankommt, sieht in einer Submariner kein Accessoire, sondern ein durchdachtes Werkzeug.
Der Wissensdonnerstag erscheint jede Woche auf Instagram und Facebook. Hier im Uhrenmagazin finden Sie jede Folge ausführlicher – mit Hintergrund, Beispielen aus dem Sortiment und den häufigsten Fragen.


































