Wissensdonnerstag #4: Hesalit oder Saphirglas – was ist der Unterschied?
Bei kaum einer Uhr wird diese Frage so leidenschaftlich diskutiert wie bei der Omega Speedmaster Moonwatch. Omega bietet sie bis heute mit zwei verschiedenen Gläsern an: mit Hesalit und mit Saphir. Der Unterschied ist mehr als eine Materialfrage, er betrifft Geschichte, Alltagstauglichkeit und den Blick auf das Uhrwerk.
Die wichtigsten Punkte
- Hesalit ist ein Acrylglas. Es ist leichter, splittert bei einem Bruch nicht und lässt sich bei Kratzern meist einfach polieren.
- Saphirglas ist extrem hart. Im Alltag ist es nahezu kratzfest, kann bei einem harten Schlag aber brechen.
- Bei der Moonwatch entscheidet das Glas auch über den Boden. Die Saphir-Version hat einen Glasboden, die Hesalit-Version einen geschlossenen Stahlboden.
Was ist Hesalit?
Hesalit ist der Markenname für ein Acrylglas, also einen Kunststoff. Gegenüber Saphir ist es weicher und deshalb anfälliger für feine Kratzer. Der Vorteil: Leichte Gebrauchsspuren lassen sich in der Regel mit einer Polierpaste in wenigen Minuten entfernen. Ein weiterer Vorteil zeigt sich bei einem Bruch. Acrylglas zerspringt nicht in scharfe Splitter.
Genau das war der Grund, warum die NASA in den 1960er-Jahren auf ein Kunststoffglas bestand. In der Schwerelosigkeit einer Raumkapsel wären Glassplitter eine Gefahr gewesen. Die Speedmaster, die mit den Apollo-Astronauten zum Mond flog, trug deshalb Hesalit. Wer seine Moonwatch möglichst nah am historischen Vorbild tragen möchte, greift bis heute zu dieser Version.
Optisch hat Hesalit einen eigenen Charakter: Das Glas ist gewölbt und erzeugt am Rand leichte Verzerrungen, die vielen Sammlern als typisch für eine klassische Uhr gelten.
Was ist Saphirglas?
Saphirglas ist synthetisch hergestellter Korund, also chemisch derselbe Stoff wie der Edelstein. Auf der Mohs-Skala erreicht es eine Härte von 9, nur Diamant ist härter. Im Alltag ist ein Saphirglas deshalb praktisch kratzfest. Die Kehrseite: Es ist spröder als Acryl und kann bei einem harten Schlag springen. Ein Austausch ist dann nötig, Polieren hilft nicht.
Fast alle hochwertigen Uhren tragen heute Saphirglas, meist mit einer Entspiegelung, die Reflexionen reduziert. Einen Vergleich mit weiteren Glasarten wie Mineralglas und Hardlex finden Sie in unserem Artikel Hardlexglas bei Uhren.
Der Unterschied bei der Moonwatch
Bei der aktuellen Speedmaster Moonwatch Professional arbeiten beide Versionen mit dem Handaufzugskaliber 3861, das als Master Chronometer zertifiziert ist. Die Saphir-Version hat zusätzlich einen Glasboden, durch den das Uhrwerk sichtbar ist. Die Hesalit-Version trägt einen geschlossenen Stahlboden, so wie die historischen Modelle.
Am Ende ist es eine Frage der Prioritäten: Hesalit für Historie und Authentizität, Saphir für Kratzfestigkeit und den Blick auf das Kaliber.
Pflege im Alltag
Hesalit verzeiht Kratzer nicht, lässt sie aber verschwinden. Eine kleine Tube Polierpaste für Acrylglas und ein weiches Tuch genügen, um feine Spuren aus dem Glas zu nehmen. Lösungsmittel wie Aceton sollten dagegen nie an das Glas kommen, sie können die Oberfläche angreifen.
Saphirglas braucht praktisch keine Pflege. Ein Mikrofasertuch reicht, um Fingerabdrücke zu entfernen. Wichtiger ist der Schutz vor harten Stößen an der Kante, etwa an Türrahmen oder Tischplatten. Ein Sprung im Saphirglas lässt sich nicht polieren, das Glas muss dann ersetzt werden. Bei einer Revision prüft der Uhrmacher deshalb auch den Sitz des Glases und die Dichtung, damit die Wasserdichtigkeit erhalten bleibt.
Beispiele aus dem Sortiment
Die Omega Speedmaster Moonwatch Professional 310.30.42.50.01.001 ist die Hesalit-Version am Stahlband, nah an der Uhr der Apollo-Missionen.
Die Omega Speedmaster Moonwatch Professional 310.32.42.50.01.001 ist die Saphir-Version mit Glasboden. Die Referenzen unterscheiden sich nur an einer Stelle: 30 steht für Hesalit, 32 für Saphir.
Alle Ausführungen finden Sie unter Omega Speedmaster Moonwatch Professional und in der gesamten Auswahl an Omega Speedmaster.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann man Kratzer aus Hesalit entfernen?
Leichte Kratzer ja, mit einer Polierpaste für Acrylglas. Tiefe Kratzer oder Risse erfordern einen Austausch des Glases.
Ist Saphirglas unzerbrechlich?
Nein. Es ist sehr kratzfest, aber spröde. Bei einem harten Schlag auf die Kante kann es springen.
Welche Moonwatch ist die originalgetreuere?
Die Hesalit-Version mit geschlossenem Boden, weil auch die Uhren der Apollo-Missionen Hesalit trugen.
Fazit
Hesalit und Saphir sind keine bessere und schlechtere Wahl, sondern zwei Antworten auf unterschiedliche Fragen. Wer Geschichte tragen will, nimmt Hesalit. Wer eine Uhr möchte, die nach Jahren noch aussieht wie am ersten Tag, nimmt Saphir.
Der Wissensdonnerstag erscheint jede Woche auf Instagram und Facebook. Hier im Uhrenmagazin finden Sie jede Folge ausführlicher – mit Hintergrund, Beispielen aus dem Sortiment und den häufigsten Fragen.


































