Tick Talk

Tick Talk #3: Uhren-Mythen – Status, Fakes und Onlinehandel

Szerző: HORANDO 14.10.2025 5 perc olvasás

Folge 3 verlässt die Firmengeschichte und nimmt sich die Klischees des Luxusuhrenmarkts vor: Wer trägt was und warum, wie groß das Fälschungsproblem wirklich ist – und ob sich Uhren jenseits der 4.000 Euro seriös online handeln lassen.

Die folgende Fassung ist eine redigierte Mitschrift des Gesprächs. Die vollständige Folge steht weiter unten.

Welche Farbe hat Ihr Ferrari?

Die Einstiegsfrage ist ein Test: Ein roter Ferrari wäre der Klassiker, die Antwort fällt trotzdem auf Silber und auf ein älteres Modell. Übertragen auf Uhren heißt das eine alte GMT-Master, aber in Vollgold – dezent in der Form, deutlich im Material.

Was daran typisch ist: Es gibt beide Käufertypen, und beide sind legitim. Auf der einen Seite der Kunde im orangefarbenen Lamborghini, zu dem die Uhr ein Statement sein muss – in aller Regel kein ewiger Kalender von Patek Philippe, eher Richard Mille oder Jacob & Co. Auf der anderen Seite Kunden, die ausdrücklich nicht auffallen wollen und von Rolex auf Omega, Breitling oder TAG Heuer wechseln, weil sie die Rolex im Beruf nicht tragen möchten.

Der unterschtzte Punkt dabei: Mit einer Patek Philippe fällt man häufig weniger auf als mit einer Rolex. Rolex wird erkannt, am Band schon von weißem, Patek in vielen Runden schlicht nicht.

Die Rainbow Daytona und die Berater im Hintergrund

Wirklich extravagante Uhren sind auch im Handel die Ausnahme. Eine Rainbow Daytona in Roségold, werkseitig mit Steinen besetzt, ging Anfang des Jahres für einen mittleren sechsstelligen Betrag weg – nicht nach Deutschland. Solche Geschäfte laufen diskret und oft gar nicht mit dem Endkunden, sondern über einen Berater, der dazwischensteht, vergleichbar mit einem Spielerberater. Viele Käufer wollen schlicht nicht in Erscheinung treten.

Von den selteneren Stcken, die durch die Hände gingen, bleibt eine Vacheron Constantin Overseas in Vollgold mit grünem Zifferblatt besonders in Erinnerung – auch weil das Wechselband aus derselben Uhr zwei sehr verschiedene macht.

Der Mann mit dem Rennrad

Wie wenig das Äußere über den Status aussagt, zeigt eine Beobachtung aus München, vor der Tr des großen Konzessionärs in der Maximilianstraße: Ein Kunde kommt in kompletter Rennradmontur an, Klickschuhe, Rad am Schaufenster – am Handgelenk eine roségoldene Day-Date mit grünem Zifferblatt, damals am Sekundärmarkt bei 70.000 bis 80.000 Euro. Statt ihn hinauszubitten, tragen zwei Mitarbeiter ihm das Fahrrad in den Laden hinterher, während er drinnen seinen Espresso trinkt.

Mythos: Ist nicht ohnehin alles gefälscht?

Der zweite Teil der Folge dreht sich um Fälschungen. Beide beobachten, dass der Druck, eine bestimmte Uhr haben zu müssen, so groß geworden ist wie nie – befeuert von Coaching- und Verkaufsvideos, in denen die Uhr als Beweis für Erfolg dient. Entsprechend häufen sich die Fälschungen, und auf Instagram kommen regelmäßig Anfragen, ob es das gepostete Modell auch als Fake oder Clone gebe.

Beide haben ihre eigene Geschichte dazu. Eine führt 2006 nach Dubai, in ein Hinterzimmer auf einem Markt, wo für 50 bis 100 Dollar eine gefälschte TAG Heuer Carrera den Besitzer wechselte – zurück im Hotel war klar, dass das Unsinn war; getragen wurde sie nie. Die andere führt um 2010 nach Shanghai, wo es gleich drei hintereinanderliegende Hinterzimmer gab, mit steigender Qualität und steigenden Preisen.

Das Argument dagegen ist für beide weniger moralisch als praktisch: Für den Betrag, den eine gute Fälschung kostet, gibt es eine echte Automatikuhr einer Marke wie Frederique Constant. Und man selbst weiß ja, was man trägt.

Vom Grauhändler zum Sekundärhändler

Ein Begriff hat sich in zwölf Jahren komplett verabschiedet: „Grauhändler“. Zum Start wurde HORANDO regelmäßig gefragt, ob der Handel überhaupt legal sei und wo die Uhren herkommen. Heute spricht man vom Sekundärmarkt, und die Frage stellt kaum noch jemand.

Was den Unterschied macht, ist nachprüfbare Transparenz: Bezug ausschließlich innerhalb der EU und ausschließlich über zertifizierte Händler, dazu die Prüfung jeder einzelnen Uhr. Auch Uhren, die von Privatkunden in Zahlung genommen werden, werden geöffnet und das Werk geprüft – unabhängig davon, ob man den Kunden kennt. Beide bezeichnen das als das Mindeste, das ein professioneller Händler leisten muss.

Car-Spotting, New Money, Old Money

Ein Exkurs, der mehr über den Markt sagt als er soll: die Car-Spotting-Videos auf Instagram, in denen jemand am Straßenrand teure Autos anhält und die Fahrer fragt, was sie beruflich machen. Am Ende steht fast immer dieselbe Dreierkombination – Auto, Einkommen, Uhr. Genau dieses Spektrum begegnet den beiden im Alltag: vom kultivierten Sammler, der nur Weltzeituhren oder ewige Kalender sammelt, bis zu dem, der ausschließlich Roségold trägt. Der größte Teil der Kunden liegt dazwischen.

Schnellrunde: Uhr und Beruf

  • A. Lange & Söhne Lange 1 – Notar
  • Panerai Luminor Marina – Bootsverleih am Gardasee
  • Rolex Day-Date in Weißgold – Family Office
  • Jaeger-LeCoultre Reverso am Lederband – eigene Kfz-Werkstatt

Ist Onlinehandel mit Luxusuhren unseriös?

Die Antwort fällt deutlicher aus, als die Frage vermuten lässt – und sie kommt von dem der beiden, der aus dem Auktionsgeschäft stammt und die Händlerlandschaft von unten bis oben kennt. Früher lief der Kauf entweder über den etablierten Fachhandel oder über freie Juweliere, Pfandhäuser und Goldankäufer in Bahnhofsnähe. Dort war die Qualität von Beratung und Ware sehr unterschiedlich, und wenn eine Uhr ohne vernünftige Revision verkauft wurde, saß der Händler im Zweifel weit weg und lehnte die Gewährleistung ab.

Online ist genau das nicht mehr möglich. Bewertungen auf mehreren Portalen wirken wie ein permanenter Druck, schnell und sauber zu antworten – bis hin zu Antworten am Sonntagabend um zehn, für die sich Kunden regelmäßig ausdrücklich bedanken.

Ein zweites Vertrauenssignal fällt im Gespräch fast nebenbei: Fernsehwerbung. Während der Übertragung eines großen Golfturniers liefen in fast jeder Unterbrechung Spots von Rolex, Porsche und einem Onlinehändler für Luxusmöbel – und gerade bei einem Onlinehändler wirkt das wie ein Echtheitsnachweis. HORANDO hat nie Fernsehwerbung geschaltet.

Die Folge ansehen

Kapitel

  • 02:13 – Ferrari, GMT-Master und Pepsi
  • 04:53 – Statement-Uhren und diskrete Käufer
  • 08:38 – Laut oder dezent: Kundentypen
  • 11:06 – Day-Date und die Rennrad-Anekdote
  • 14:20 – Understatement mit Patek Philippe
  • 17:31 – Mythos: Ist alles fake?
  • 19:53 – Sekundärhandel und Echtheitsprüfung
  • 23:30 – Fake-Uhren aus Dubai und Shanghai
  • 26:39 – Car-Spotting: New vs. Old Money
  • 30:13 – Schnellrunde: Uhr und Beruf
  • 31:16 – Ist Onlinehandel unseriös?

Anhören

Tick Talk erscheint auf YouTube und auf Spotify. Geprüfte Exemplare mit Garantie finden sich unter Certified Pre-Owned.

Továbbiak: Tick Talk

Összes cikk

Hozzászólás írása

Felhívjuk figyelmét, hogy a hozzászólásokat közzététel előtt jóvá kell hagyni.

Ezt a webhelyet a hCaptcha rendszer védi, és a hCaptcha adatvédelmi szabályzata, valamint szolgáltatási feltételei vonatkoznak rá.