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Tick Talk #2: Series A, Corona und Umzug – wie HORANDO wuchs

Di HORANDO 21.08.2025 6 min di lettura

Die erste Folge endete beim Crowdfunding. Folge 2 nimmt den Faden 2018 wieder auf und führt bis ins heutige Büro: eine siebenstellige Finanzierungsrunde, der Wechsel des Shopsystems, die ersten Mitarbeiter, Corona – und zwei Exit-Anfragen, die nicht weiterverfolgt wurden.

Die folgende Fassung ist eine redigierte Mitschrift des Gesprächs. Die vollständige Folge steht weiter unten.

Wie der Kontakt zur Series A entstand

Der Weg zur ersten großen Finanzierungsrunde begann nicht auf einer Pitch-Bühne, sondern im Checkout. Ein Kunde, der mehrfach bei HORANDO gekauft hatte und selbst aus dem Online-Versicherungsgeschäft kam, brachte die Idee mit, am Point of Sale eine Uhrenversicherung anzubieten – so, wie man es von großen Elektronikhändlern kennt. Aus dem Versicherungsprodukt wurde nichts; es gibt bis heute keines im Shop. Aus dem Kontakt wurde dafür der Zugang zu einem Venture Advisor.

Dieser Advisor war zeitgleich auf einer Investorenkonferenz in Tel Aviv. Also flog man hin. Die Anreise fasst die Arbeitsweise der beiden ganz gut zusammen: Am Bamberger Bahnhof stellte sich heraus, dass der Reisepass zu Hause lag – und Tel Aviv ist Drittland. Der Zug war weg, der zweite kam zwei Stunden später. Besonders ärgerlich, weil kurz zuvor noch eine WhatsApp herausgegangen war mit dem Hinweis, Zugticket und Ladekabel nicht zu vergessen.

Hannover statt Berlin

Das Marktumfeld war zu diesem Zeitpunkt aufgeheizt. Marktbegleiter in Berlin und Köln schlossen große Runden mit bekannten Venture-Capital-Fonds ab; Kapital für E-Commerce war reichlich vorhanden. Nur führte kein direkter Weg von Bamberg dorthin. Gelaufen ist es am Ende über Hildesheim und Hannover, wo der Kunde ansässig war, der den Kontakt hergestellt hatte. Dort lernte HORANDO die späteren Investoren kennen – unter anderem den Geschäftsführer der heutigen Bravo Capital sowie einen institutionellen Investor des Landes Niedersachsen.

Die Gespräche begannen 2018, das Closing fand 2019 statt. Dazwischen lag ein halbes Jahr Due Diligence und am Ende ein Notartermin in Hannover von fünf bis sechs Stunden. Danach wurde die siebenstellige Runde nicht groß gefeiert: Es gab ein Bier im ICE zurück nach Bamberg. Das Foto davon steht heute im Jubiläumsbuch zu zwölf Jahren HORANDO.

Entscheidend war weniger der Moment als das, was danach möglich wurde. Mit Working Capital ließen sich begehrte Modelle einkaufen und vorhalten. Der Markt hatte sich zu diesem Zeitpunkt bereits verschoben: Es ging nicht mehr primär um den Preis, sondern um Verfügbarkeit. Wer Uhren lagernd hat, kann liefern – und der Kunde kann sie sich vorher ansehen.

Von PrestaShop zu Shopify

2013 hatte das Geld nicht für ein teures Shopsystem gereicht; gestartet wurde mit PrestaShop, das mit einem externen Entwickler laufend nachgerüstet wurde. Mit dem frischen Kapital stellte sich die Grundsatzfrage: weiter am bestehenden System basteln oder wechseln? Die Entscheidung für Shopify fiel schnell, die Umsetzung dauerte deutlich länger – der Relaunch kam 2023.

Die ersten Mitarbeiter und das Abgeben

An dieser Stelle wird die Folge selbstkritisch. Beide sagen offen, dass sie viel zu lange darin eine Stärke gesehen haben, alles selbst zu machen: einen mittleren einstelligen Millionenumsatz zu zweit gestemmt, inklusive Kundenservice, Verpacken, Investorenansprache und Due Diligence. Rückblickend die Frage: Was hat uns da geritten?

Mit den ersten Einstellungen kam ein Thema dazu, mit dem vorher keiner von beiden Erfahrung hatte – Mitarbeiterführung. Die ersten beiden Kolleginnen kamen in den Kundensupport, das Backoffice entstand als zweites Büro in der Innenstadt von Hannover. Uhrenwissen bringt niemand mit; das muss aufgebaut werden, ebenso wie das Gespür für anspruchsvolle Kunden, das in diesem Preissegment nötig ist.

Schwierig bleibt bis heute die Abwägung, wann ein Kunde tatsächlich einen Geschäftsführer sprechen muss. Nachvollziehbar ist der Wunsch ab einer gewissen Größenordnung, nur lässt sich ein wachsendes Unternehmen nicht führen, wenn beide Gründer jeden Kunden selbst betreuen.

2020: erst Stillstand, dann Ansturm

2019 stand im Zeichen der Series A, dann kam Corona. Die Szene, an die sich beide erinnern, spielt im alten Showroom in der Langen Straße: Ein Kunde aus der Region holte eine Omega Speedmaster ab, die ersten Geschäfte mussten bereits schließen – und die beiden sahen sich an und fragten sich, was jetzt kommt. Es folgten Wochen im Homeoffice.

Ab dem Frühjahr kippte es in die andere Richtung. Es wurde nicht mehr gereist, Geld lag herum, die Zinsen waren niedrig. Der Investmentcharakter einer Uhr, der immer schon mitschwang, trat so stark hervor wie nie zuvor. Vor allem aber fiel eine Hemmschwelle: Wer bisher stationär gekauft hatte, hatte diese Möglichkeit nicht mehr – und stellte fest, dass die Uhr nach der Überweisung tatsächlich ankommt. Beide ordnen das eindeutig ein: Der Schub kam zu einem Zeitpunkt, an dem viele Freunde und Bekannte in der Gastronomie genau das Gegenteil erlebten.

Der Umzug: vom vollen Showroom ins heutige Büro

Operativ wurde es eng. Das Haupthandling – Wareneingang, Prüfung, Fotografie, Versand – lief weiter über Bamberg. Irgendwann standen die Uhren in der Sitzecke nach Marken sortiert auf Stapeln, und im ganzen Showroom roch es nach Kartonage. Für Kunden, die ihre Uhr abholten, war das kein schönes Bild.

Der Plan, im selben Haus den ersten Stock dazuzunehmen, zerschlug sich. Stattdessen fand sich ein paar hundert Meter weiter ein leerstehendes ehemaliges Architekturbüro im Hinterhof. Besichtigung, zwei bis drei Wochen später der Abschluss, Umbau Ende 2021, Umzug Anfang 2022. Konsequent dazu wurden das Büro in Hannover und der Showroom aufgelöst und alles in Bamberg gebündelt – der nötige Schritt, auch wenn beide an die Jahre in der Langen Straße gern zurückdenken. Heute gibt es dort Safe Room, verschiedene Arbeitsplätze und eine eigene Podcastecke.

Dazwischen gab es weitere, kleinere Finanzierungsrunden mit den Bestandsinvestoren – geräuschlos, weil sich das Geschäft positiv entwickelte.

Zwei Exit-Anfragen

Auf die Frage, ob es schon einmal um einen Verkauf ging, gibt es eine klare Antwort: zweimal, beide Male proaktiv von außen. Beide beschreiben solche Wochen als intensiv und durchaus schmeichelhaft. Entschieden hat am Ende nicht der Preis, sondern die Frage, wo man eigentlich hinwill – und dass dieses Ziel nicht nur das der beiden Gründer ist, sondern auch das des Teams und der Gesellschafter. Auf halbem Weg abzubrechen kam deshalb nicht infrage.

Die schnellen drei

  • Uhr mit Box und Papieren oder 5.000 Euro günstiger ohne? Günstiger. Jede Uhr, die ins Haus kommt, wird von den Partneruhrmachern in Köln geprüft. Dazu ein Beispiel aus dem laufenden Bestand: eine Rolex Submariner, frisch von Rolex aus dem Service, mit Servicekarte und zwei Jahren Garantieverlängerung – und trotzdem winken Interessenten ab, weil die Originalpapiere fehlen.
  • Richard Mille oder A. Lange & Söhne? A. Lange & Söhne.
  • Der Kunde, der zwei Stunden probiert und dann darüber schläft, oder der, der in dreißig Sekunden kauft und danach zehnmal anruft? Der Anrufer.

Was sich beim Kundenverhalten verändert hat

Zwischen 2013 und 2020 war das Kaufverhalten aus Sicht der beiden weitgehend konstant. Seit Corona hat nicht nur der Anteil der Onlinekäufe zugenommen, sondern auch die Tiefe der Fragen. Rund 70 Prozent der Bestellungen laufen unkompliziert durch; die übrigen 30 Prozent brauchen Beratung – zu Durchmesser, Automatik oder Quarz, sportlich oder elegant.

Wie viel davon Technik ist und wie viel Lebensgefühl, hängt stark an der Marke. Bei Cartier, das mit Santos und Tank ein Revival erlebt hat, steht eher die Identifikation mit der Marke im Vordergrund. Bei technisch geprägten Marken geht es um Kaliber und Bauteile – in einem Fall so ausgiebig, dass HORANDO die Marke nach wenigen Uhren im Kommissionsverkauf wieder aus dem Sortiment genommen hat.

Die Folge ansehen

Kapitel

  • 01:52 – Der Weg zur Series A
  • 04:18 – Nachtaktion nach Tel Aviv
  • 07:03 – Investoren, Notar und Closing
  • 10:45 – Von PrestaShop zu Shopify
  • 12:39 – Die ersten Mitarbeiter
  • 14:57 – Corona und der Online-Boom
  • 19:32 – Vom Showroom ins neue Büro
  • 22:58 – Relaunch und Messebesuche
  • 25:04 – Exit-Anfragen
  • 27:11 – Die schnellen drei Fragen
  • 29:39 – Wie sich Kunden verändert haben
  • 33:31 – Fazit und Ausblick

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Tick Talk erscheint auf YouTube und auf Spotify. Das aktuelle Sortiment findet sich in der Auswahl an Luxusuhren, geprüfte Exemplare unter Certified Pre-Owned.

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