Tick Talk #4: Kundengeschichten aus zwölf Jahren Uhrenhandel
Folge 4 beginnt mit einer Branchenmeldung, die im Herbst 2025 für Aufruhr sorgte, und wird danach zu dem, was der Titel verspricht: den Kundengeschichten aus zwölf Jahren Uhrenhandel, die man sich nicht ausdenken kann.
Die folgende Fassung ist eine redigierte Mitschrift des Gesprächs. Die vollständige Folge steht weiter unten.
Rolex beendet rund 40 Konzessionen
Aufhänger ist die Nachricht, dass Rolex zum Jahresende die Verträge mit rund 40 Konzessionären nicht verlängert – darunter, und das hat in der Branche eingeschlagen, ein Händler in der Größenordnung von Rüschenbeck, in der Wahrnehmung beider hinter Wempe die Nummer zwei in Deutschland.
Warum das mehr ist als eine Personalie: Rolex zieht. Wer die Konzession hat, verkauft auch seine übrigen Marken besser, weil der Kunde, der eine Rolex zum Listenpreis möchte, seine Historie bei genau diesem Juwelier aufbaut und seine Omega oder Breitling gleich mitkauft. Fällt Rolex weg, verschieben sich diese Netzwerke. Beide erwarten, dass Rolex den Fokus stärker auf eigene Monobrand-Boutiquen in Düsseldorf, Berlin, München und Hamburg legt – was die Verkaufsfläche konzentriert, aber die Zahl der Uhren nicht erhöht. Die Warteliste wandert damit nur an einen anderen Ort.
Die eigene Position dazu ist unverändert: HORANDO war immer freier Händler und bleibt es – eine Konzession war nie das Ziel. Dazu die Rechnung, die im Podcast regelmäßig auftaucht: Wer eine Breitling mit 20 bis 30 Prozent Rabatt kauft und für das Rolex-Sportmodell einen inzwischen überschaubaren Aufschlag zahlt, kommt unter dem Strich hin – und wartet nicht.
Die Nautilus und der Einzahlungsautomat
Die erste große Geschichte spielt 2015 im alten Showroom in der Langen Straße. Verkauft wurde eine Patek Philippe Nautilus 40 Years Anniversary Edition für knapp 200.000 Euro an einen Händlerkollegen, der einen Mitarbeiter vorbeischickte, um bar zu bezahlen – dokumentiert, mit Ausweis, alles nach Geldwäschegesetz.
Danach lagen rund 150.000 Euro im Laden, die Banken hatten zu, denn es war Fasching. Also ging es mit einer Tüte zum Einzahlungsautomaten der Sparkasse – an dem Tag, an dem halb Bamberg dort 50 Euro fürs Feiern zieht. Während die Schlange bis auf die Straße wuchs, spuckte der Automat Scheine mit Knick wieder aus. Nach etwa 20.000 Euro wurde abgebrochen, der Rest wanderte zurück in den Safe.
Aus derselben Zeit stammt ein Detail, das heute kaum noch vorstellbar ist: Auslandsüberweisungen an Partner mussten ab einer gewissen Höhe per Papierträger in der Filiale abgegeben werden, und das Geld war drei Tage unterwegs.
Eine Daytona in 10- und 20-Euro-Scheinen
2014, noch ohne Geldzählmaschine: Ein Kunde kauft eine Stahl-Daytona mit schwarzem Zifferblatt für rund 25.000 Euro – und bringt den Betrag in 10- und 20-Euro-Scheinen mit. Gezählt wurde von Hand, in Tausender-Häufchen, mit mindestens einem Verzähler dazwischen, im Sommer, in einem Büro mit ausgefallener Klimaanlage. Knapp eine Dreiviertelstunde später war die Übergabe durch. Die zweite Uhr, die noch im Raum stand, kaufte er nicht mehr.
Der jüngste Kunde und sein Trinkgeld
Beim morgendlichen Aufbauen der Auslage kommt ein vielleicht 18-Jähriger herein, sieht sich um und sagt, er habe Geld und wolle etwas kaufen. Es wird eine Frederique Constant um die 1.200 Euro. Beim Bezahlen legt er wie ein alter Grandseigneur 50 Euro Trinkgeld auf den Tresen. Zwei Stunden später steht er noch einmal in der Tür – nicht wegen der Uhr, sondern um die Sneaker zu zeigen, für die er die restlichen 300 Euro ausgegeben hat.
Uhren an die Haustür
Übergaben vor Ort gehören bis heute dazu, früher noch häufiger als heute. Geliefert wurde unter anderem nach Marbella und, wegen eines vergessenen Hochzeitstags, bis nach Baku.
Die längste Geschichte spielt in Stockholm: Ein sehr guter Kunde bekam eine Patek Philippe gebracht, eine andere Uhr wurde in Zahlung genommen – und auf dem Rückweg fiel der komplette Flugverkehr aus. Statt nach Frankfurt ging es nach Zürich, mit zwei Uhren im Handgepäck. Innerhalb der EU ist das unproblematisch, die Schweiz ist es nicht: Ein Verlassen des Transitbereichs wäre zollrechtlich heikel geworden. Gerettet hat die Situation eine sehr freundliche Bitte am Lufthansa-Schalter und der letzte Platz auf einer späteren Maschine.
Ladenhüter und Lieblingsstücke
Nicht jede Uhr geht schnell. Eine IWC Da Vinci mit Jahreskalender – für die damaligen Verhältnisse ein hoher Warenkorb – kam über den italienischen Partner aus der Schweiz nach Bamberg, wurde dort in einer halben Stunde mit allen Komplikationen erklärt und ging anschließend mit dem Käufer zurück in die Schweiz.
Der Gegenpol war eine Daytona mit lila Band und Brillanten, ein Storno aus den Anfangsjahren im Bereich von 30.000 bis 40.000 Euro – für beide mit Abstand die hässlichste Uhr, die je im Lager lag. Sie blieb rund drei Monate und ging am Ende mit Abschlag an einen Kollegen nach Hamburg. Ohne das heutige Netzwerk war so etwas teuer; mit Working Capital ist die Frage, was man einkauft, ohnehin eine andere geworden.
Uhren als Geschenk – und was sonst noch geht
Bei Damenuhren fällt die Wahl klar auf Cartier, mit Santos, Tank und Panthère, dazu die Rolex Oyster Perpetual 31 mit Türkis-Zifferblatt. Aus einem eBay-Verkauf wurde nebenbei ein Folgegeschäft: Der Käufer erkannte den Namen und fragte, ob das der mit den Uhren aus Bamberg sei – er suchte eine solche Rolex für seine Frau.
Weniger bekannt ist, dass auf Anfrage auch Markenschmuck beschafft wird – Bulgari, Chopard, Van Cleef & Arpels, Pomellato – sowie Montblanc-Accessoires. Gelistet ist das nicht; bei kleinen Einzelstücken trägt der Versand die Transaktion nicht.
Nachtrag: der Ferrari
Die Ferrari-Geschichte aus Folge 3 hat für Unruhe gesorgt. Der Versicherungsmakler fragte, wann er die eVB-Nummer schicken solle, zwei Kunden hakten ebenfalls nach. Zur Klarstellung: Der Wagen gehört nicht HORANDO, sondern einem – und auch das wurde gerügt – sehr guten Freund, nicht bloß einem Bekannten.
Showmaster und ihre Uhren
- Günther Jauch – Nomos Tangente, klassisch, am Lederband
- Thomas Gottschalk – Franck Muller
- Harald Schmidt – A. Lange & Söhne, teuer, aber unauffällig
- Micky Beisenherz – Rolex oder Panerai
Zu Gottschalk gehört die Anekdote zum Schluss: Auf der Munichtime im Bayerischen Hof, eingeladen von einer Marke, war das Hotel bei der Ankunft ausgebucht. Die Lösung lag im obersten Stock, letzter Gang, letzte Ecke – eine Suite, die Thomas Gottschalk selbst gestaltet hatte und in der er wohnte, wenn er in München war. Hinter dem Bett prangte, aus kleinen Steinen gelegt, sein Porträt. Im Wohnzimmer stand zusätzlich eine lebensgroße Figur, an der sich einer der beiden beim Hereinkommen erschrocken hat.
Die Folge ansehen
Kapitel
- 03:22 – Aktionszeiträume im Uhrenhandel
- 04:29 – Rolex beendet Konzessionen
- 08:52 – Rolex-Boutiquen und freie Händler
- 13:48 – Nautilus-Deal am Faschingstag
- 19:13 – Daytona in kleinen Scheinen
- 20:51 – Der junge Kunde mit Trinkgeld
- 23:11 – Persönliche Uhrenübergaben
- 25:55 – IWC Da Vinci und die Anfangsjahre
- 30:02 – Uhren als Geschenk für Damen
- 32:54 – Schmuck und Accessoires auf Anfrage
- 34:40 – Klarstellung zur Ferrari-Geschichte
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Tick Talk erscheint auf YouTube und auf Spotify. Das aktuelle Sortiment findet sich in der Auswahl an Luxusuhren.



































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