Tick Talk #7: Status oder Substanz – Uhren in Dubai, mit Dennis Uitz
Der erste Gast im Tick Talk: Dennis Uitz, Unternehmer und Investor, seit rund zwanzig Jahren in Private Equity und Trading unterwegs, lebt heute in Dubai – und ist seit etwa neun Jahren HORANDO-Kunde. Ein Gespräch über eine Sammlung von 126 Uhren, über die Frage, ob eine Uhr ein Asset ist, und über einen Markt, in dem Luxus zur Normalität geworden ist.
Die folgende Fassung ist eine redigierte Mitschrift des Gesprächs. Die vollständige Folge steht weiter unten.
Wie man sich kennenlernt
Angefangen hat es mit einer Everose Daytona, dicht gefolgt von einer Everose GMT-Master – vor neun Jahren, als HORANDO bei Rolex vor allem Stahl und Stahlgold verkaufte und Vollgold noch als exotisch galt.
Persönlich getroffen haben sich die drei erst Jahre später, auf dem Oktoberfest: eine WhatsApp mit der Frage, ob man gerade im selben Zelt sei – und die Einladung an den Tisch.
Eine Sammlung, die mit einer Wette beginnt
Gesammelt wird, seit Uitz 13 oder 14 war. Ausgangspunkt war das Nägelkauen und ein Angebot des Vaters: vier Wochen durchhalten, dafür ein Wunsch. Der Wunsch war dessen Rolex Sea-Dweller. Gehalten hat die Uhr nicht lange – sie wurde ihm im Internat gestohlen, woraufhin es vom Vater keine neue gab. Die Mutter kaufte daraufhin heimlich eine Breitling.
Die erste selbst gekaufte Uhr kam mit 18, bezahlt vom ersten Geld aus einem Immobiliengeschäft – und gekauft, bevor der Notarvertrag unterschrieben war. Der Geschäftspartner ließ ihn die Uhr auf dem Weg zum Notar ins Handschuhfach legen, das bringe Unglück. 1.900 Mark hat sie gekostet, von einem Bekannten. Erst bei einer späteren Revision stellte sich heraus, dass das kleine „T“ auf dem Zifferblatt für eine militärische Herkunft steht – und die Uhr ein Vielfaches wert ist. Verkauft wurde sie nie; sie ist heute ein Geschenk an die Mutter und wird getragen.
126 Uhren – und kaum eine verkauft
Die Sammlung umfasst 126 Uhren, im Kern drei Marken: Patek Philippe, Rolex, Audemars Piguet. Dazu vier Richard Mille, drei F.P. Journe – und eine Hublot, gekauft zur eigenen Scheidung, weil sie damals auffällig war und er damit im Gericht sitzen wollte.
Verkauft hat er, wie er sagt, so wenige, dass man sie an einer Hand abzählen kann. Gekauft wird nicht mit Blick auf Wertsteigerung, sondern nach Gefallen – mit einer Schwäche für Komplikationen und für die Uhrmacherei dahinter. Neben den großen Namen nennt er H. Moser, MB&F – dessen Gründer ebenfalls in Dubai lebt – und Urwerk. Und eine Vacheron Constantin, extraflach, skelettiert, mit Tourbillon, im vergangenen Jahr gekauft: völlig unterbewertet, findet er.
Dubai: Luxus als Normalzustand
Der Unterschied zu Deutschland ist nicht der Reichtum, sondern die Selbstverständlichkeit. Wer abends in einem Restaurant sitzt, sieht Dinge, die man in Deutschland kaum zu Gesicht bekommt.
Dazu kommt die Nähe zu Asien – und damit ein Fälschungsproblem in einer anderen Größenordnung. Wer zu einer beliebigen Tageszeit durch die Dubai Mall geht, sieht mehr als hundert Richard Mille. Wer weiß, wie viele davon überhaupt gebaut werden, weiß auch, dass das nicht stimmen kann. Die Superclones sind inzwischen so gut, dass selbst er sie nicht zuverlässig erkennt. Seine Konsequenz: oft gar keine Uhr, oder eine Garmin.
Es gab auch eine Phase, in der ihm das Thema den Spaß genommen hat – als die eigenen Mitarbeiterinnen, denen er Uhren als Prämie geschenkt hatte, anfingen, sich gegenseitig hochzuschaukeln. Heute freut er sich eher, wenn er bei jemandem etwas entdeckt, das nicht auf Aufmerksamkeit zielt – eine F.P. Journe etwa, oder eine alte vierstellige Rolex-Referenz.
Uhren im Geschäftsleben
Etwas egaler als in Deutschland sei es schon – aber bei formellen Terminen käme er nicht auf die Idee, eine große Uhr am Kautschukband zu tragen. Eher eine große Komplikation, die unter der Manschette bleibt: Wer sich wirklich dafür interessiert, sieht sie. Alle anderen nicht.
Seine Beobachtung zu denen, die es anders halten, fällt deutlich aus: Ein Emirati würde nie damit auftrumpfen – im Zweifel verschenkt er die Uhr. Es sind die Expats, die posieren. Bei rund 85.000 Millionären in der Stadt sei das ohnehin aussichtslos.
Wo man in Dubai kauft
Der Markt ist stark konzentriert: Praktisch alle relevanten Lizenzen liegen bei einem einzigen, sehr großen Konzessionär. Ohne Draht dorthin läuft nichts – und auch mit Draht heißt es warten. Es ist, wie er sagt, all about relationship.
Jacob & Co. im Check
Er kennt Jacob Arabo persönlich und beschreibt ihn als echten Designer, der selbst zeichnet, und als außergewöhnlich gut vernetzt. Eine Uhr würde er trotzdem nicht kaufen – auch nicht das angebotene Einzelstück zu einem attraktiven Preis. Der Grund ist nüchtern: Die Marke baut sehr viele Modelle, eines extremer als das andere, und schafft es nicht, den Markt stabil zu halten.
Ist eine Uhr ein Asset?
Die klarste Antwort der Folge – und sie kommt vom Investor: nein. Eine Uhr ist nicht bankfähig und illiquide; wer verkaufen muss, hat ein Problem. Man soll eine Uhr kaufen, um sie zu behalten, zu tragen und zu vererben. Inflationsbereinigt seien nur ganz wenige Uhren tatsächlich eine Wertanlage – eine Paul Newman Daytona, 2004 für 25.000 Euro gekauft, ist eine davon. Damals war sie einfach eine alte Daytona.
Als Gegenbeispiel dient eine Vacheron Constantin in Blau, die im großen Hype als günstigere Alternative zur Nautilus galt und bei rund 60.000 Euro lag. Heute bekommt man sie für etwa 20.000.
Dazu die Parallele zu Krypto, wo er selbst rund fünf Prozent hält: Als seine Mutter Ende des Jahres auf Bitcoin zu sprechen kam, hat er verkauft. Inzwischen steckt viel institutionelles Geld im Markt, und wenn dort Regelwerke greifen, wird aus Buchverlusten sehr schnell ein realer Verkaufsdruck.
Der Uhrenmarkt sei während Corona ähnlich künstlich gepusht worden. Viele hätten damals Geld zur Verfügung gehabt, das sich nicht real anfühlte – und hätten es in etwas Greifbares getauscht. Wer damals 200.000 Euro für eine Nautilus 5711 gezahlt hat, weint heute.
Sein Rat an Freunde ist entsprechend schmal: Wenn man beim Konzessionär eine Daytona in Stahl bekommen kann, nimmt man sie. Uhren dieser Art gibt es zwei oder drei. Genau so kam übrigens eine der ersten „Batman“-GMT zu HORANDO – er hatte bei mehreren Händlern bestellt und sie doppelt bekommen.
Der Gebrauchtmarkt vor Ort
Seit die Märkte nachgegeben haben, kommt in Dubai viel auf den Markt – besonders goldene Patek- und AP-Modelle. Wer bei einem Händler anfragt, bekommt vier oder fünf Angebote, und die Preise geben Woche für Woche etwas nach. Gesucht wird derzeit ein Royal Oak Perpetual Calendar Ultra-Thin – eine Uhr, die aussieht wie eine gewöhnliche AP und genau deshalb gefällt.
Warum Dubai
Der Grund ist unromantisch: Dubai ist ein Hub. Fast jeder kommt im Lauf eines Jahres einmal vorbei, und von hier aus geht es ohne Umstieg in fast jede Richtung – zusammen zwei Drittel weniger Flüge als zuvor. Davor lebte er zwei, drei Jahre auf Zypern: gut fürs Geschäft, weil es dort wenig Ablenkung gab, aber jede Reise nach Amerika dauerte zwei Tage. Der ursprüngliche Plan, in die USA zu ziehen, änderte sich, als sein Vater starb – er wollte nicht in einer völlig verschobenen Zeitzone leben.
Zum Schluss ein Reisetipp, der zur Haltung der ganzen Folge passt: Weihnachten und Silvester meiden, dann ist man einer von Millionen. Und vor Ort essen, was es vor Ort gibt – nicht in denselben Restaurantketten, die man in London, Bangkok und Ibiza auch hat.
Die Folge ansehen
Kapitel
- 01:48 – Die erste Uhr bei HORANDO
- 03:28 – Sammeln seit der Kindheit
- 07:06 – 126 Uhren, kaum eine verkauft
- 08:47 – Luxus und Fälschungen in Dubai
- 11:40 – Uhren im Geschäftsleben
- 14:25 – Uhrenkauf in Dubai
- 16:03 – Jacob & Co. im Check
- 18:56 – Ist eine Uhr ein Asset?
- 22:53 – Krypto-Geld und Uhren-Hype
- 28:04 – Gebrauchtmarkt in Dubai
- 33:44 – Warum Dubai als Wohnort



































Deja un comentario