100 Jahre Rolex Oyster: Wie die wasserdichte Armbanduhr entstand – und was Wasserdichtigkeit heute bedeutet

4 août 2026by Sabine Meding

Im Sommer 1926 geschahen in der Schweizer Uhrenbranche zwei unscheinbare Verwaltungsvorgänge, die bis heute nachwirken. Am 24. Juli ging ein Patent für ein besonders dicht verschließbares Uhrengehäuse an Hans Wilsdorf über, fünf Tage später ließ er den passenden Namen schützen: Oyster – die Auster. Damit begann die Geschichte der wasserdichten Armbanduhr, wie wir sie heute kennen. Rolex hat sein gesamtes Uhrenjahr 2026 um dieses Jubiläum herum aufgebaut, und die ganze Branche diskutiert seither über ein Bauprinzip, das inzwischen jede ernstzunehmende Sportuhr prägt.

In diesem Beitrag erklären wir, warum die Oyster technisch ein Bruch mit allem Vorherigen war, wie andere Manufakturen dasselbe Problem gelöst haben – und was die Angaben auf dem Gehäuseboden im Alltag tatsächlich bedeuten.

Das Wichtigste in Kürze

  • 1926 wurde aus einer Idee ein System. Verschraubter Boden, verschraubte Lünette und vor allem eine verschraubte Krone machten die Armbanduhr erstmals zuverlässig dicht.
  • Wasserdichtigkeit ist ein Druckwert, keine Tauchtiefe. 10 bar bedeuten nicht, dass Sie 100 Meter tief tauchen können – die Prüfung erfolgt statisch im Labor.
  • Dichtungen altern. Die Wasserdichtigkeit einer Uhr ist kein dauerhafter Zustand, sondern muss im Rahmen der Revision überprüft werden.

Warum eine dichte Uhr 1926 ein echtes Problem war

In den 1920er-Jahren war die Armbanduhr noch jung – und empfindlich. Sie wanderte von der Westentasche ans Handgelenk und damit erstmals dauerhaft in Regen, Staub und Feuchtigkeit. Die größte Schwachstelle war nicht der Boden, sondern die Aufzugskrone: eine offene Verbindung zwischen Uhrwerk und Außenwelt, durch die bei jedem Aufziehen Luftfeuchtigkeit eindringen konnte. Wasserdichte Konstruktionen hatte es zwar schon im 19. Jahrhundert vereinzelt gegeben, doch keine davon war je in Serie erfolgreich.

Den entscheidenden Schritt lieferten zwei Uhrmacher aus La Chaux-de-Fonds, Paul Perregaux und Georges Perret. Sie meldeten Ende 1925 eine Konstruktion mit verschraubbarer Krone zum Patent an, das im Mai 1926 erteilt wurde. Wilsdorf erkannte das Potenzial, erwarb die Rechte im Juli 1926 und ließ ein passendes Gehäuse entwickeln – die ersten Ausführungen waren übrigens nicht rund, sondern achteckig, damit Uhrmacher sie mit Werkzeug sicher greifen konnten.

Das Prinzip der Auster: drei Verschraubungen, ein System

Der Gedanke hinter der Oyster ist so einfach wie wirkungsvoll: Statt einzelne Fugen abzudichten, wird das gesamte Gehäuse zu einem hermetisch verschlossenen Behälter. Boden und Lünette werden gegen das Gehäusemittelteil geschraubt, die Krone wird gegen ein Gewinderohr gezogen und presst dabei Dichtungen zusammen. Erst diese Kombination macht das System belastbar – und sie erklärt auch, warum Rolex kurz darauf einen automatischen Aufzug brauchte: Wer die Krone seltener öffnen muss, vergisst seltener, sie wieder zuzuschrauben.

Der Beweis kam aus der Öffentlichkeit. Die britische Schwimmerin Mercedes Gleitze trug im Oktober 1927 eine Oyster bei ihrem viel beachteten Ärmelkanal-Schwimmen an einer Kette um den Hals – nach mehreren Stunden im kalten Wasser lief die Uhr unverändert weiter. Wilsdorf machte daraus eine der ersten großen Marketingkampagnen der Uhrengeschichte. Wer die direkte Linie von damals bis heute sehen möchte, findet sie in der Submariner Date 126610LN: verschraubte Triplock-Krone, verschraubter Boden, ein Gehäusemittelteil aus einem Stück – dieselbe Logik, nur auf 300 Meter ausgelegt. Weitere Modelle dieser Familie finden Sie in unserer Auswahl an Rolex-Uhren.

Wie andere Manufakturen dasselbe Problem gelöst haben

Die Oyster war der Anfang, nicht das Ende der Entwicklung. Panerai etwa ging einen völlig anderen Weg und presst die Krone bei der Luminor mit einem Schutzbügel und Hebel mechanisch gegen das Gehäuse – eine Lösung, die für die italienische Marine entstand und bis heute das markanteste Erkennungszeichen der Marke ist, gut zu sehen an der Luminor Marina 44.

Omega wiederum löste ein Problem, das erst mit der Sättigungstaucherei entstand: Beim Aufenthalt in Druckkammern dringt Helium in das Gehäuse ein und will beim Auftauchen wieder heraus. Die Antwort war ein Heliumventil, wie es die Seamaster Diver 300M bis heute trägt; einen Überblick über die Linie gibt unsere Auswahl an Omega-Uhren. Breitling stellte 1957 die Superocean als reine Werkzeuguhr für Berufstaucher vor – die heutige Superocean Automatic 44 führt dieses Erbe mit klarem Zifferblatt und kräftiger Leuchtmasse fort, weitere Modelle zeigen die Breitling-Uhren.

Was 3, 10 oder 30 bar wirklich bedeuten

Die wohl häufigste Verwechslung im Uhrenalltag: Die Angabe auf dem Gehäuseboden ist ein Druckwert aus einer statischen Laborprüfung, keine erlaubte Tauchtiefe. Bewegung im Wasser, ein Sprung vom Beckenrand oder ein kräftiger Schwimmzug erzeugen kurzfristig ein Vielfaches des Drucks, der in der Ruhephase herrscht. Deshalb gilt in der Praxis:

Angabe Entspricht In der Praxis geeignet für
3 bar 30 m Spritzwasser, Regen, Händewaschen
5 bar 50 m Zusätzlich Duschen, kurzes Schwimmen an der Oberfläche
10 bar 100 m Schwimmen und Schnorcheln
20 bar 200 m Schwimmen, Schnorcheln, Apnoetauchen
30 bar und mehr 300 m und mehr Gerätetauchen

Eine klassische Dresswatch mit 3 bar überlebt den Regenschauer, gehört aber nicht ins Schwimmbad. Und selbst eine Taucheruhr sollte nicht mit in die Sauna: Nicht der Druck ist dort das Problem, sondern die Hitze, die den Dichtungen zusetzt.

Fünf Regeln, die Ihre Uhr trocken halten

  1. Krone immer zuschrauben. Eine offene verschraubte Krone macht aus jeder Taucheruhr eine ungeschützte Uhr.
  2. Drücker nicht unter Wasser betätigen, sofern das Modell nicht ausdrücklich dafür konstruiert ist.
  3. Salzwasser abspülen. Nach dem Meer kurz unter klarem Süßwasser abspülen und trocknen.
  4. Temperaturwechsel meiden. Sauna, heiße Dusche und Whirlpool sind für Dichtungen belastender als kaltes Tiefenwasser.
  5. Dichtungen prüfen lassen. Dichtungen sind Verschleißteile – sie werden im Rahmen der Revision ersetzt und die Uhr anschließend erneut geprüft.

Fazit: eine Idee, die alles verändert hat

Die Oyster hat die Armbanduhr vom empfindlichen Schmuckstück zum verlässlichen Instrument gemacht. Alles, was danach kam – Taucheruhren, Heliumventile, Gehäuse aus Keramik und Titan – baut auf derselben Grundidee auf: das Uhrwerk hermetisch von der Außenwelt zu trennen. 100 Jahre später ist Wasserdichtigkeit so selbstverständlich, dass kaum noch jemand darüber nachdenkt. Genau das ist das Zeichen einer wirklich guten Konstruktion. Einen Überblick über Modelle, die dieses Prinzip auf sehr unterschiedliche Weise umsetzen, finden Sie in unserer Auswahl an Luxusuhren.

Häufige Fragen (FAQ)

Wann wurde die Rolex Oyster vorgestellt?

Das zugrunde liegende Patent wurde im Mai 1926 erteilt und ging im Juli 1926 an Hans Wilsdorf über; den Namen Oyster ließ er Ende Juli 1926 schützen. Die ersten Uhren kamen noch im selben Jahr auf den Markt.

Bedeutet 100 Meter Wasserdichtigkeit, dass ich 100 Meter tief tauchen kann?

Nein. Die Angabe stammt aus einer statischen Druckprüfung im Labor. In Bewegung entstehen deutlich höhere Belastungen, weshalb 10 bar in der Praxis für Schwimmen und Schnorcheln stehen, nicht für das Gerätetauchen.

Muss die Wasserdichtigkeit regelmäßig geprüft werden?

Ja. Dichtungen altern durch Temperatur, Hautfette und Bewegung. Bei jeder Revision werden sie ersetzt und die Uhr anschließend erneut auf Dichtigkeit geprüft.

Darf ich mit einer Taucheruhr in die Sauna?

Besser nicht. Hohe Temperaturen und schnelle Wechsel zwischen heiß und kalt belasten die Dichtungen stärker als Druck – unabhängig davon, wie hoch die Wasserdichtigkeit angegeben ist.

Über den Autor

Auteurs | Sabine Meding

Auteurs | Sabine Meding

Sabine vient de Berne et a développé très tôt un goût pour l'artisanat précis. En tant qu'étudiante en histoire de l'art, elle a remarqué à quel point le développement des montres était lié à l'art et à la mode de l'époque.

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