All eyes on Tourbillon

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Der Begriff „Tourbillon“ stammt aus dem Französischen und bedeutet „Wirbelwind“. Die unter dem Namen bekannten Uhrenmodelle sind, wie der spezielle Name bereits verrät, etwas ganz Besonderes, das den Markt seit vielen Jahren aufmischt. Das raffinierte Meisterwerk ist eine Vorrichtung, die Abweichungen bei der Ganggenauigkeit, welche durch die ungleichmäßige Wirkung der beiden Kompensationsarme und den dadurch begründeten Schwerpunkt der Unruh entstehen, auch in den feinsten Werken mechanischer Uhren ausgleicht. Die Unruh ist ein kleines Rädchen, welches Bewegung erzeugt, was wiederum zum Antrieb der Zeiger führt. Je exakter die Unruh, desto genauer die Uhr. Jede Regung lässt die Unruh allerdings unpräziser werden. Deshalb werden beim Tourbillon die Hemmungsteile in einem extra zarten Gestell gelagert und das gesamte System dreht sich ruckweise in hoher Geschwindigkeit. Diese ausgefeilte Produktionstechnologie schafft es, die Gravitationskraft zu neutralisieren, wenn der Zeitmesser in einer bestimmten Position hängen bleibt – und garantiert so Akkuratesse. Mit der Zeit entstanden zahlreiche Weiterentwicklungen des klassischen Tourbillon.

Die Tourbillon Evolution

Der Traum des Schweizer Uhrmachers Abraham-Louis Breguet war es zu schaffen, dass die Unruh stets ideal funktioniert. Der erste Tourbillon wurde dann etwa 1795 von ihm hergestellt. Zu dieser Zeit war die Produktion ein monatelanger Akt, da jedes einzelne der etwa 80 Bauteile von Hand gefertigt werden musste. Heutzutage gibt es dafür CNC-Maschinen, die Herstellung ist aber trotzdem nach wie vor herausfordernd. Leider ist es Breguet damals nicht sofort auf Anhieb gelungen, seine Vision Realität werden zu lassen. Bei den viel bewegten Uhren war auch die Tourbillon-Technik machtlos. Im Jahre 1896 begann der dänische Taschenuhrenfabrikant Bahne Bonniksen dann sogenannte „Karusselluhren“ herzustellen, bei welchen das Federhaus als Rotationslager fungierte und das Laufwerk, sowie die Unruh auf einem drehbaren Karussell lagerten.

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Die Uhr führte regelmäßig einen Lageausgleich mit einer kompletten Rotation durch, was die Vorteile des Tourbillon erstmals ohne Nachteile nutzbar machte. 1920 erfand der Uhrmacherausbilder Alfred Helwig dann den „fliegenden Tourbillon“, eine spezielle Weiterentwicklung des Breguet-Tourbillon, der auf die obere Brücke zur Lagerung des Käfigs verzichtet.

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Dieser wird lediglich auf der Unterseite gelagert. Eine weitere bekannte Version ist der „Gyro-Tourbillon“ der Schweizer Marke Jaeger-LeCoultre, welche aber nur in der Lage ist statische Störungen auszugleichen und keine dynamischen, welche beispielsweise bei Erschütterung entstehen. Der Gyro-Tourbillon besitzt eine komplexe Mechanik, die die Unruh laufend um drei Achsen dreht. Die Ganggenauigkeit ist hier jedoch eher Nebensache und die technische Raffinesse steht im Vordergrund. Darüber hinaus brachte Greubel Forsey 2004 sogar eine Doppelversion mit dem Namen „Double Tourbillon 30“ auf den Markt. Bei der Uhr ist ein zusätzlicher kleinerer Tourbillon im Tourbillongestell verbaut. Der um 30 Grad abgewinkelte Tourbillon verbessert die Ganggenauigkeit durch das Zusammenspiel der zwei schief zueinander geneigten Käfige noch weiter, denn diese heben die von der Gravitation verursachten Gangabweichungen auf – und das in wirklich allen Positionen. Vier Jahre später produzierte Greubel Forsey das Prachtstück dann mit noch mehr technischer Raffinesse: Der „Quadruple Tourbillon à différentiel“ beinhaltet gleich zwei Doppel-Tourbillons in einem Gehäuse. Außerdem verfügt dieser Zeitmesser über ein sphärisches Differential, welches die vier Tourbillon-Gestelle miteinander verknüpft. Dies garantiert eine gleichmäßige Kräfteübertragung. Die Entwicklung des Werkes nahm ganze fünf Jahre in Anspruch, es enthält 531 speziell für diese Uhr angefertigte Einzelteile und allein die Politur und Dekoration des Werkes dauerten 500 Stunden. Auf Grund dieser Angaben ist eine Produktion von lediglich sechs Exemplaren pro Jahr möglich. Bedenkt man den enormen Aufwand der Herstellung, ist dieses Modell für eine Million Dollar sogar ein Schnäppchen. Mittlerweile werden auf dem Markt genug Kopien für nur ein paar tausend Euro angeboten, meist aus China und Russland. Diese bieten jedoch nicht unbedingt die beste Qualität und können das besondere Gefühl, das das beeindruckende Original vermittelt, natürlich nicht bieten.

Allzeit beliebter Klassiker

Heutzutage ist der Lageausgleich teils nur noch eine technische Spielerei, spielt bei manchen Uhren aber tatsächlich noch eine Rolle, vor allem bezüglich Ästhetik und Eleganz. Es werden zudem nach wie vor weitere Tourbillon-Arten entwickelt und der Klassiker somit immer wieder neu aufgelegt. Die besondere Uhrenart ist immer noch heiß begehrt, obwohl sie auf Grund ihrer aufwändigen und langwierigen Herstellung so preisintensiv ist. Die Nachfrage unter Liebhabern reißt nicht ab, denn der faszinierende Zeitmesser-Typus steht für technische Raffinesse Deluxe. Jeder Sammler hätte gern eines der einzigartigen Stücke in seiner Kollektion. Die komplizierte Verarbeitung ist eben etwas ganz Feines – und Kenner wissen das zu schätzen. Das spezielle Charisma des Tourbillon kommt bei einigen Armbanduhren besonders gut zur Geltung. Gerade exklusivere Modelle beherbergen die kleinen filigranen Schmuckstücke, was den meist hohen Preis rechtfertigt. Für Schuluhren mit Tourbillon zahlen Sammler oft sechsstellige Beträge. Käufer sollten allerdings auf der Hut vor billigen Fälschungen sein und sich bestenfalls auf einen guten bekannten Händler verlassen. Besonders als Laie auf dem Gebiet ist es oft schwer festzustellen, ob es sich um einen Tourbillon oder eine offene Unruh handelt. Wer eine derartig hochwertige Uhr erwerben möchte, die ihren Preis auch wert ist, sollte auf Nummer sicher gehen.

Die begehrtesten Modelle

Das Angebot an Tourbillon-Uhren ist groß, denn der besondere Zeitmesser ist oft eine Art Visitenkarte für ambitionierte Uhrmachermeister. Jede Marke mit Namen hat heutzutage ein Modell als meisterhaftes Vorzeigestück im Sortiment. Auf Grund der technischen Raffinesse wird das Ziffernblatt der Uhr stets geöffnet, um freien Blick auf das feine Bauteil zu gewähren. Nachfolgend eine Vorstellung von zehn Tourbillons, die etwas ganz Besonderes sind und Ihnen einen kleinen Einblick in die Vielfalt des Marktes geben. Wer weiß, vielleicht ist genau Ihr persönlicher Liebling darunter. A. Lange & Söhne Lange 1 Tourbillon Perpetual Calendar:

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Auch die deutsche Kultmanufaktur A. Lange & Söhne bietet Tourbillons an. Das Modell Tourbillon Perpetual Calendar vereint ein Tourbillon mit einem Ewigen Kalender – eine außergewöhnliche Kombination. Audemars Piguet Royal Oak Tourbillon GMT Concept: Durch die offene Gestaltung bietet die moderne Techniksensation eine besonders

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Ein Klassiker, der nie aus der Mode kommen wird. Zusätzlich liefert die Uhr akustischen Hochgenuss dank der lautesten und klarsten Minutenrepetition auf dem gesamten Markt.

Blancpain Tourbillon Carrousel: Blancpain ist vor allem für seine Karusselluhren bekannt, Tourbillon Modelle sieht man eher selten. Das Highlight aus dem Hause ist allerdings genau deshalb die Tourbillon Carrousel, eine Uhr, die gleich beide technischen Highlights in sich vereint.

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Ein echter Augenschmaus. Breitling for Bentley Mulliner Tourbillon: Für alle Fans der Schweizer Traditionsmarke Breitling gibt es ebenfalls die ideale Tourbillon-Option. Der Bentley Mulliner Tourbillon ist ein besonders edles Stück, das man einfach lieben muss. Hier trifft klassisch-elegantes Design auf höchste Uhrmacherkunst – Stil und Technik auf höchstem Niveau. Breguet Tradition Répétition Minutes Tourbillon: Dieser Zeitmesser ist etwas ganz Spezielles – hier wird der Tourbillontechnik tatsächlich die Show gestohlen, denn das Augenmerk liegt auf der innovativ konstruierten Minutenrepetition.

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Die beiden neuartig geformten Tonfedern sind an der Lünette angebracht und von der Werkseite her angeschlagen – eine davon läuft sogar über die Tourbillonhemmung hinaus! Cartier Rotonde de Cartier Earth and Moon: Cartier hat sich bei diesem Zeitmesser etwas ganz Ausgefallenes ausgedacht – der Tourbillon des Rotonde de Cartier Earth and Moon wird verdeckt, um die Mondphasen anzuzeigen. Benutzt man den Drücker bei der Vier, schiebt sich die Meteoritenscheibe vor den Tourbillon, sodass der übrig gebliebene Ausschnitt des Drehgangs die Mondphase darstellt – verrückt und genial zugleich.

 Hublot MP 05 LaFerrari Sapphire: Ein weiterer Spezialfall ist dieses Schmuckstück aus dem Hause Hublot. Die Uhr ist transparent und ein ganz besonderer Hingucker, denn der senkrecht stehende Tourbillon ergänzt die elf ebenfalls senkrecht angeordneten Federhäuser ideal.

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Dank diesen ist eine beachtliche Gangautonomie von ganzen 50 Tagen möglich! Patek Philippe Sky Moon Tourbillon: Der Sky Moon Tourbillon von Patek Philippe beherbergt eine beeindruckende Menge an Komplikationen, darunter einige der komplexesten. Eine Minutenrepetition mit einem Schlagwerk mit zwei „Kathedralen“-Tonfedern, dem Tourbillon und einem Ewigen Kalender mit retrogradem Zeigerdatum sind nur die Vorzeigeeigenschaften der Vorderseite. Auf der Rückseite verfügt der Zeitmesser auch noch über eine Sternzeit- und Karte, sowie Anzeige der Mondphasen und -winkelbewegungen. Anstöße, Gehäuse, Kronen, Schieber und Zeiger sind allesamt von Hand graviert. Dieses Exemplar ist eindeutig eine der atemberaubendsten Uhren der Welt. TAG Heuer Carrera Calibre Heuer 02 Tourbillon:

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Dieser Tourbillon kommt mit Chronograph, Automatikaufzug und Chronometerzertifikat, aber in industrialisiertem Design daher – eine besonders interessante Mischung. Die offene, symmetrische Konstruktion ist zudem ein garantierter Eyecatcher. Ulysse Nardin Grand Deck Marine Tourbillon: Bei dieser Uhr ist der Tourbillon der einzige klassisch konstruierte Teil. Ulysse hat sich für die Zeitanzeige hier mal etwas ganz Anderes ausgedacht.

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Die Uhr verfügt über eine springende Stunde mit zwei separaten Scheiben, sowie einem Minutenzeiger, der von Seiten über eine lineare Skala gezogen wird. Die Rollen, welche den Faden bewegen, erinnern an die Winschen, die beim Segeln den Mastbaum spannen. Natürlich hat jeder der „tickenden Wirbelwinde“ seinen Preis, der nicht selten für Schwindelanfälle sorgt – exklusive Stücke können schließlich bis zu eine Million Euro kosten. Man darf jedoch nicht vergessen, was für ein Kunstwerk man damit in den Händen hält. Das macht einen Tourbillon zu einem ganz edlen und schönen Statussymbol mit besonderer Bedeutung – eine Investition, die sich lohnt.

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